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Neulich bei den Probeabos

Von Red.

Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, bietet unsere Zeitschrift regelmäßig einen Gutschein für drei kostenlose Ausgaben, gerichtet an all jene, die noch auf den Geschmack kommen wollen. Eine ziemlich einzigartige Geste in der deutschen Presselandschaft, dieses Geschenk von drei völlig unverbindlichen Ausgaben, nach deren Erhalt man auch nicht automatisch weiter beliefert wird, wenn man zu kündigen vergisst. Einige Testleser halten diese Großzügigkeit aber noch für weiter steigerbar.

Während ich kürzlich im Büro saß, um die zahlreichen neuen Probeabo-Anfragen in den PC einzutippen und im Hintergrund Vertriebschefin Emmy Loos gerade telefonierte, fiel mir wieder einmal die erstaunliche Kreativität unserer Kunden auf. Nicht etwa wegen der hieroglyphenartigen Schrift auf dem Bestellformular vor mir, nein; ich fügte ganz routiniert den Namen Nina Steinberger* (oder war es Rita Weinberger?) in die Datenbank ein, die fein säuberlich alles registriert, was in den letzten Jahren jemals mit dem Thema Probeabo zu tun hatte, und prompt wurde mir angezeigt: zwar existierten weder Frau Steinberger noch Fräulein Weinberger in der Datenbank, sehr wohl aber eine Ina Kleinberger. Allein schon diese Namenseinfalt! - da war ich nun doch überrascht. Und als wäre eine übergelaufene Probeabo-Quelle in mir geplatzt, standen sie auf einmal alle wieder vor meinen Augen, die vielen anderen, oft so einzigartigen Versuche, die alle darauf hinaus wollen, sich das Probeabo for free möglichst oft zu bestellen.

Das beginnt natürlich mit den Einfallslosen, die sich ihr Probeabo im Dezember bestellen und es dann im April gleich noch einmal versuchen, und über deren niedliche Naivität ich jedes Mal wieder grinsen kann, wenn ihr Täuschungsversuch gleich in den Papierkorb flattert - für irgend etwas müssen Datenbanken doch gut sein! Schon lustiger wird es dann mit Kandidaten wie unserer Nina Steinberger alias Ina Kleinberger. Oder: Aus "Elisabeth" wird auf dem nächsten Bestellschein "Elli", "Katja" verwandelt sich in "Kati" und Frau Dosenberg wird zu Frau Rosenberg - natürlich bei jeweils gleichbleibender Anschrift. Weniger Phantasievolle kürzen "Nina" dann einfach beim zweiten Versuch mit "N." ab oder lassen den Vornamen gleich ganz weg.
Andere wiederum spielen mit den praktischen Umlauten; so leicht lässt sich doch aus dem Herrn Jäger ein Herr Jaeger machen und schon glaubt man sich drei weiterer info3-Ausgaben sicher.

Über die häufige Klage der Deutschen, die Bevölkerung würde zu wenig wachsen, kann ich mich übrigens nur wundern: unsere Probeabonnenten sollten da jedenfalls eine Menge Wett machen: neulich erst wurde aus Gudrun und Heino Miesenthal, deren Probe-Abo abgelaufen war, plötzlich eine kleine Familie Miesenthal; nur ein Beispiel für viele ähnliche blitzartige Zuwächse.

Gewisse Ortschaften fallen durch ihre Regelmäßigkeit auf den Bestellformularen auf; so orderte erst der nette Herr aus dem Blumenring 7 ein Probeabo, darauf folgte Frau Nachbarin aus dem Blumenring 8, dann eine Dame aus Nummer 9 und so weiter, die ganze Straße entlang und wieder zurück zum Anfang. Eine Probeabo-Tauschbörse?

Andere wiederum ziehen wohl ständig und rapide um: Frau Graumuschel zum Beispiel bestellte ihr erstes Probeabo in der Bahnhofstraße 1 und wenige Monate später noch eines auf den gleichen Namen, aber drei Gebäude weiter. Ein Klick in die Datenbank offenbarte mir, dass es sich bei besagtem Gebäude um einen Kindergarten handelte, der selbstverständlich - unter seiner eigenen Anschrift - auch schon - mehrfach - in den Genuss unseres Probeabos gekommen war. Ich schickte Frau Graumuschel zusammen mit dem neuen Probeabo gleich ein paar günstige Wohnungsangebote hinterher, damit sie nicht mehr im Kindergarten wohnen muss.

Kaum noch halten vor Lachen konnte ich mich dann aber, als Emmy mir drei zusammengeheftete Seiten von Probeabo-Bestellungen aus dem Internet reichte, ausgestellt von den Damen Gisela, Gaby und Greta Kriechmann, wobei Gisela das Probeabo - wenn möglich - ab März, Gaby ab Juni und Greta ab September wünschte. Nein, wirklich, an den Pisa-Ergebnissen für Deutschland kann etwas nicht stimmen, wenn die Leute soviel Einfallsreichtum aufbringen, nur um info3 so lange wie möglich gratis zu lesen!

Am schönsten ist diese Kreativität natürlich dann, wenn sie dazu genutzt wird, sich dauerhaft weiterzubilden, indem man unser Magazin dann auch tatsächlich abonniert und liest, am besten entspannt und ganz legal, jeden Monat neu und mit dem guten Gefühl, für den Einsatz von Redakteuren, Autoren und Verlagsmitarbeitern auch eine kleine finanzielle Gegenleistung erbracht zu haben. Kostet ja nicht die Welt.

Lucia Kraus, Probeabo-Aushilfe bei info3

* Alle Namen und Adressendetails wurden selbstverständlich von der Redaktion geändert.

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