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© Info3-Verlag |
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| magazin info3/archiv/Oktober 1999 |
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Kommerz gegen Geist Kultstätte als Vergnügungstempel? Von Jens Heisterkamp Vieles haben die Externsteine, eine der bekanntesten europäischen Kultstätten, schon überstanden: die Zerstörung nach der zwangsweisen Christianisierung, die Profanisierung in der Moderne, den Missbrauch durch Nationalsozialisten und Rechtsextreme. Nun setzt ein findiger Investor mit einem Event-Konzept zum Großangriff auf das historisch einmalige Gelände an.
Ganz neu ist die Idee freilich nicht: im Dritten Reich hatten die Nazis den Mythos des legendären Germanenführers, der im Teuteburger Wald im Jahre 9 nach Christus erfolgreich dem römischen Expansionsdrang entgegentrat, alljährlich mit Festspielen über die »Hermannschlacht« (Hermann, die germanisierte Fassung des lateinischen Arminius) aufgefrischt. »Auch politisch halten wir eine Wiederbelebung dieses Ahnenkultes für prekär«, meint Förster. Schon die damalige Einbindung der Externsteine in die Ideologie des Nationalsozialismus ging mit einer massiven Bebauung des Naturdenkmals einher, deren Spuren nach dem Krieg mühsam wieder rückgängig gemacht wurden. Verglichen mit den jetzt diskutierten Bauvorhaben wirkt das Nazi-Festival allerdings wie ein harmloses Wald-Picknick. Unmittelbar an den Felsen soll eine mobile Bühne für bis zu 6000 Zuschauer errichtet werden. Geplant sind rund 70 Aufführungen pro Saison. Selbst wenn, wie Umweltschützer befürchten, dazu keine betonierten Fundamente errichtet werden müssen, geben die Planer zu, auch unmittelbar am Denkmal feste Gebäude für Umkleiden, Garderoben und Technik errichten zu wollen. Unvermeidliche Gastronomie mit Sanitäreinrichtungen werden das bisher noch relativ offene und naturbelassene Gelände vor der Kultstätte nachhaltig verändern. In Laufnähe müssen außerdem tausende neue Parkplätze entstehen. Zusätzlich sollen die Externsteine eingezäunt und für den Besucherverkehr gesperrt werden, damit während der Aufführungen niemand auf den Felsen herumspaziert. Vor Ort hat sich bereits eine Koalition aus Kultur- und Umweltschützern gegen das Investitionsvorhaben formiert. »Wer einmal den Müll nach solchen Veranstaltungen gesehen hat, weiß, was auf die Bürger zukommt«, meint der Sprecher des örtlichen SPD-Verbands. Außerdem seien Vogelbrutgebiete und ein einmaliges Fledermausbiotop durch die Bebauung gefährdet. Angesichts bundesdeutscher Bauvorschriften, die schon das Errichten einer Holzhütte im eigenen Garten zum Delikt erklären, verstehen Kritiker nicht, dass das Konzept der »Cherusker GmbH« in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet überhaupt genehmigt werden kann. Achselzuckend verweist man auf die personellen Verfilzungen im Landesverband Lippe, wo offenbar die versprochenen neuen Arbeitsplätze dem Bauprojekt Tor und Tür öffnen. Ironischerweise soll sogar die von den Grünen gestellte Regierungspräsidentin das Germanen-Spektakel befürworten. Nahezu alle Freunde der Externsteine, darunter viele aus dem örtlichen Waldorfumfeld, aber auch zahlreiche Wissenschaftler und Regionalhistoriker bedauern, dass durch die Einbindung der Kultstätte in ein Festival jene besondere Atmosphäre verloren gehen soll, die auch jetzt schon mehr als eine halbe Million Besucher jährlich hierher lockt. »Wenn es denn sein muss«, so ist von Kritikerseite zu hören, »dann kann das Festival auch anderswo in derRegion angesiedelt werden.« Sollten sich allerdings die Wirtschaftsinteressen durchsetzen, dann würde die ehemalige Mysterienstätte, an der schon Germanen, Römer und Christen ihre verschiedensten Religionen ausübten, wohl ultimativ in die Hände der einzigen Gottheit geraten, die heute noch anerkannt ist: die des Mammon. Zur Geschichte der Externsteine Die Felsformation der Externsteine wurde vermutlich schon in der Frühgeschichte als astronomische Beobachtungsanlage genutzt. Rudolf Steiner schrieb diesem Ort für die Entwicklung Europas große Bedeutung zu: »Wenn Sie etwa eine Kreislinie zögen, so dass in diese Kreislinie hineinfallen die Städte Detmold und Paderborn, so kommen Sie in die Gegend, von der ausströmte die Mission der erhabensten Geister, welche nach Nord- und Westeuropa ihre Mission ausdehnten. Weil dort das grosse Inspirationszentrum war, deshalb ging später die Sage, daß Asgard eigentlich an diesem Punkt der Erdoberfläche gelegen hatte.« (aus dem sogenannten Volksseelen-zyklus, 1910) Bei den Germanen gehörten die Felsen zu einem heiligen Hain. Entgegen der Mehrheit seiner Kollegen hält es der Historiker Heinz Ritter für durchaus möglich, dass der Cheruskerführer Hermann (Arminius) hier tatsächlich seine Truppen zum Angriff gegen das Lager des Varus versammelt haben könnte. Ausgehauene Höhlen, die von den Germanen in der Regel nicht bekannt sind, gaben zu Vermutungen Anlass, auch der römische Mithras-Kult sei hier gepflegt worden. Karl der Große ließ im Zuge seiner Sachsenkriege das Heiligtum zerstören. In karolingischer Zeit entstand hier das bedeutendste christliche Felsrelief nördlich der Alpen. Nach Ansicht der anthroposophischen Kunstkenner Walther Mattes und Rolf Speckner (Das Relief an den Externsteinen, Edition tertium) zeigt es Spuren eines esoterischen Christentums. |
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INFO3 2009 |
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