magazin info3/archiv/Oktober 2006

Zur Aufführungspraxis des Dreikönigspiels

"Unheimlich gruselig war das Sprechen der Juden"

Von Sebastian Gronbach

Alle Jahre wieder werden an anthroposophischen Einrichtungen traditionelle Weihnachtsspiele aufgeführt. info3-Redakteur Sebastian Gronbach beschreibt aus eigener Erfahrung, was ihm an dieser Tradition würdevoll, was kurios und was einfach inakzeptabel erscheint. Insbesondere richtet sich dabei seine Kritik gegen die Karikierung von Juden im "Dreikönigsspiel".

Treffen sich zwei Waldorfschüler. Sagt der eine: "I hab vermeint i wer der erschte da, derweil ist mein Bruder Gallus a schon da." Finden Sie das witzig? Waldorfschüler, auch wenn sie längst dem Kindesalter entwachsen sind, können da lachen, vielleicht auch noch Waldorfeltern. Für alle anderen gehören diese apokryphen Sprüche zum seltsamen Insidergebaren der Waldorfszene. Waldorfs lachen über diesen Spruch, weil sie ihn so gut kennen, wie man sonst nur Kinderverse à la "Ene mene Miste, es rappelt in der Kiste" kennt, und sie freuen sich gerade deshalb, weil nicht jeder darüber lachen kann, weil sie sich in der codierten Sprache als Insider wiedererkennen. Sie sind mit diesem Spruch groß geworden, er gehört zu den so genannten "Oberufer Weihnachtsspielen", die an Waldorfschulen in der ganzen Welt in der Vor- und Nachweihnachtszeit aufgeführt werden.
Was ist dran an diesen Stücken, und warum werden sie seit 1913 nicht nur im anthroposophischen "Headquarter", dem Goetheanum in Dornach, sondern eben auch seit den Gründerjahren in fast allen Waldorfschulen aufgeführt?

Formal handelt es sich um drei Singspiele, die über diese Formalität hinaus eine suggestive Kraft und reine Würde ausstrahlen. Wer in der christlichen Tradition lebt, findet hier eine herzliche Heiligkeit wieder, wie sie längst aus den meisten Kirchen des Westens verschwunden ist. Einfache und im besten Sinne kindliche Gesten, die klare Zuordnung von Gut und Böse, eine unverfälschte Bejahung der heiligen Schrift und eine streckenweise geniale musikalische Begleitung bedeuten eine Bereicherung für alle Christen, die eine Sehnsucht nach der magisch-mythischen Seite dieser Religion tief in sich tragen.

Das Erste, das so genannte "Paradeisspiel" bezieht sich inhaltlich auf die Schöpfungsgeschichte, beginnend mit der Erschaffung des Adam und endend mit der Vertreibung aus dem Paradies. Das Zweite, das "Christgeburtsspiel" fasst die Geschichte Jesu von der Empfängnis bis zur Geburt und der Lobpreisung durch die Hirten zusammen, wobei sich die Handlung am Matthäus- und Lukasevangelium orientiert.

Das dritte Stück setzt dort an, wo die drei Weisen in Erscheinung treten, es verläuft über die Flucht nach Ägypten und schließt mit dem Suizid des Herodes nach dem Kindermord von Bethlehem.

Alle Stücke werden, meist von Lehrern, gleichzeitig ernst und heiter vorgetragen.
Soweit, so normal. Aber an dieser Stelle endet auch die Normalität.

Oberufer gegen Oberammergau
Der erste Unterschied, der zu gängigen Weihnachtsspielen in Kirchen und Kindergärten auffällt, betrifft die Sprache. Sie soll dem Dialekt entsprechen, den man damals in Oberufer sprach. Dieses Oberufer kannte der Gelehrte und Lehrer des jungen Rudolf Steiners, Professor Karl-Julius Schröer, aus eigener Anschauung, er fuhr gerne in die östlich von Wien gelegene Gegend: "In der Nähe von Pressburg, eine halbe Stunde des Wegs zu fahren, liegt auf einer Vorinsel zur Insel Schütt das Dörfchen Oberufer" . Schröer, wie auch später Steiner, waren angetan von der ursprünglichen Einfachheit und Unverfälschtheit der szenischen Darstellung und dem rustikalen, ehrlichen Duktus der Sprache dieser Spiele.

Er war vor allem darauf zurückzuführen, dass die Bauern die Spiele ohne Unterstützung der Priester und Pfarrer bewältigen mussten. Dem Klerus nämlich war die bäuerlich-volkstümliche Art und Weise ein Dorn im Auge, sie wollten die biblischen Geschichten nicht aus der Hand geben und beanspruchten das Alleinvertretungsrecht an Inhalt und Deutung des alten und neuen Testamentes. Die "dummen Bauern" waren für die geistlichen Hirten bestenfalls Schafe, aber sicherlich keine ernst zu nehmenden Exegeten der Bibel. Aber genau das faszinierte Schröer und Steiner, denn "völlig isoliert von aller ‚Intelligenz' gingen die Stücke "von Bauern aus und wurden für Bauern aufgeführt".

Steiner und Schröer stellten seinerzeit bewusst "ihre" einfachen Oberufer Spiele den durch "Intelligenz" verzerrten Oberammergauer Spielen gegenüber und freuten sich gemeinsam über die Burschen (denn Frauen war es nicht erlaubt die Stücke zu spielen) "denen es nicht schaden kann, wenn sie sich einmal wieder ein bisschen in der Schrift befleißigen", wie der damalige "Besitzer der Spiele" im Dorf den beiden Gelehrten aus Wien mitteilte.

Und heute? Zwar gelten die strengen Regeln von damals für Anthroposophen nicht mehr, während der Probenzeit "nicht zu Dirnen gehen, keine Schelmlieder singen, ein ehrsames Leben führen, eine Geldstrafe für alle Gedächtnisfehler zahlen" , aber ansonsten soll sich alles wie früher anhören. Die Betonung liegt hier auf "soll". Schröers Aufzeichnungen beruhen auf Büchern und schriftlichen Aufzeichnungen, die er allerdings teilweise aus einzelnen Stücken zusammenflicken musste, die bruchstückhaft, voller Schreibfehler und vom Wetter verwaschen waren. Er fügte eigene ganze Zeilen hinzu, glättete, reimte neu und interpretierte. Auch Steiner griff in der folgenden Zeit immer wieder in die textliche Komposition ein, wenngleich er bis zum Schluss nicht zufrieden war und weitere Verbesserungen und Berichtigungen wünschte: "Jede Belehrung werde ich freundlich willkommen heißen und stelle an alle, die eine solche zu geben haben, die Bitte damit nicht zurückzuhalten" . Nun, dieser Bitte kann entsprochen werden.

Folkloristisch verklärter Blick
Vor jeder Aufführung wird heute betont, dass man den ursprünglichen Dialekt und Tonfall beibehalten habe. Dabei wird so getan hat, als wäre die gesprochene Bühnensprache der einst im historischen Dorf Oberufer gesprochenen Sprache auch nur ähnlich - sie ist es, nach so langer Zeit der mündlichen Überlieferung und schriftlichen Umschreibung, sicherlich nicht. Würde man die Oberufer Bauern von 1806 in eine Aufführung von 2006 setzen, sie würden vermutlich nur wenig verstehen und sich über vieles wundern. Vor allem würden sie sich darüber wundern, dass diese Sprache auf der Bühne so rein gar nichts mit der Sprache zu tun hat, die sie rechts und links von ihrem Nachbarn hören. Die Idee in ihrem Dorf war es doch, dass man die Inhalte der Bibel so darstellt und ausspricht, dass sie auch der letzte Dorf-Depp verstehen konnte. Jetzt braucht man vor dem Stück eine Einweisung und Worterklärung in die Bühnensprache.

Die 1806er Bauern würden denken, dass dies irgendwie keinen Sinn macht, denn nun sei es ja wieder wie früher in der Kirche, wo einer den Inhalt deuten und erklären müsse - könnten die Gäste von damals bei den Proben der aktuellen Aufführung dabei sein, sie würden vor Staunen den Mund nicht mehr schließen, wenn sie sehen würden, dass es neben dem einfachen Text in verschiedenen Versionen noch über ein halbes Dutzend Bücher mit Erläuterungen, Vorträgen, historischen Einordnungen und geisteswissenschaftlichen Deutungen gibt. Warum, so fragen sich die alten Oberufer von damals, spricht man heute nicht, wie man heute spricht? Das war doch der Sinn der Sache, dass man die Sprache des einfachen Volkes auf der Bühne hören kann. Einfach, zeitnah und direkt, wie auf der Straße - das faszinierte damals Steiner und Schröer.

Anstatt heute mit folkloristisch verklärtem Blick auf das "einfach Volk" von damals zu schauen und ihnen "Unverfälschtheit und Urtümlichkeit" zu attestieren, könnte man sich doch auch dem heutigen einfachen Volk zuwenden - aber irgendwie ist das wohl anders, zu realistisch, zu nah. Eine Dorfschänke aus der Erinnerung ist irgendwie romantischer als eine Pommesbude mit Bierdunst um die Ecke - das einfache Volk von heute ist auch nicht mehr das, was es einmal war.

Stereotype Darstellung
So würden sich die Gäste aus Oberufer über vieles wundern, aber über eines ganz sicher nicht. Würden sie das Dreikönigsspiel sehen, in dem der König Herodes seine jüdischen Schriftgelehrten um Rat fragt, dann würde ihnen an der aktuellen Darstellung nichts auffallen und sie würden denken, was man halt immer schon damals so dachte: "Ja so sind sie, die Juden. Verkrampfte, haspelnde, kreischende Typen, die unverständlich schnell sprechen und dabei mit grauen und hässlichen Gesichtern Fratzen ziehen." Nein, da würden sich die Bauern von 1806 nicht wundern, denn das kennen sie nicht anders. Aber sie, die 1806er, haben auch nie eine höhere Schule besucht, sie kennen sich nicht aus in der Welt - und sie haben auch noch nichts von Auschwitz gehört. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die von damals sich nicht wundern.

Verwunderlich aber ist, dass sich auch sonst niemand im Saal wundert, auch nicht das Publikum von heute. Seit bald neunzig Jahren schon wundert sich niemand. Niemand verlässt unter Protest den Saal, niemand verbietet seinen Kindern dieses Stück und niemand schämt sich, dort diese gruseligen Karikaturen von Juden zu spielen. Jahraus, jahrein. Landauf, landab.

Auch ich hab mich lange nicht gewundert, was mich heute am meisten wundert und, ja, auch beschämt. Ich habe in diesem besagten Dreikönigsspiel sogar als junger Erwachsener mitgespielt und mich nur wenig gewundert - ich fühlte mich eingebettet unter einer esoterischen Kuscheldecke, unter der es ja gar nichts Böses geben konnte, denn man spielte nicht nur mit Anthroposophen die Geschichte vom Jesusbaby, sondern wusste gleichzeitig, dass es um das Böse, das Gute, das Ganze und um den Christus in uns allen geht und alle waren doch so bemüht und so sozial und nett und fromm und die gute Stimmung und so. Und ja genau: Steiner hatte das ja auch schon so gemacht. Irgendwie.

Wir saßen unterm Weihnachtsbaum, sangen vom Engel und Maria und dem Teufel, und wir alle wunderten uns kein bisschen über eine Darstellung von Juden, wie sie außerhalb des anthroposophischen Zusammenhangs höchstens noch Applaus im Lande von Ahmadinedschad bekommen hätten. Wir spielten das Stück in der den Anthroposophen nahestehenden Kirche, der Christengemeinschaft, in Schulen und anderen Häusern, in denen es warm und wohlig war.

Wer das Stück nicht kennt, kann es sich gar nicht drastisch genug vorstellen, aber vielleicht hilft folgendes Bild. Würde ein TV-Team die Szene im Dreikönigsspiel aufnehmen, in der die Juden, Kaifas, Pilatus und Jonas auftreten, und würde diese Szene am Abend zur besten Sendezeit gezeigt, dann müsste die Schule, in der das Stück über die Bühne ging, über jede Reaktion froh sein, die unterhalb einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung läge.

Vor Hitler nannte man das, was man da sieht, volkstümliche Vorurteile gegenüber Juden. Heute nennt man das - völlig zu Recht - stereotypische, antisemitische Darstellung von Juden.

"Urbild?" - Nein Danke!
Dabei gibt der Text, den die Juden im Dreikönigsspiel zu sprechen haben, alleine keinen Anlass zum Einspruch - im Gegenteil. Dort erscheinen die Juden als fachkundige Kenner der heiligen Schriften, die mäßigend auf den zornigen König Herodes einwirken. Eher sympathisch wirken sie.

Umso unverständlicher und unerträglicher dagegen ist die jahrzehntelange Aufführungspraxis, die sich unverändert an den historisch-stereotypischen und karikaturhaften Darstellungen der Juden orientiert, wie sie seit jeher propagiert werden. Schröer und Steiner selber sind dabei kaum Vorwürfe zu machen. Als Vor-Auschwitz-und-vor-Völkermord-Kinder standen sie mit einer naiven Unschuld vor diesen üblichen Verunglimpfungen, die vom einfachen Volk bis zu den höchsten Bildungseliten oft zum normalen Umgangston gehörten.

So gibt Schröer sorglos weiter, was er selber gesehen und gelesen hat: "Das Auftreten von Kaifas, Pilatus und Jonas, dem Hohepriester und den Schriftgelehrten hat in jeder Hinsicht das Gepräge altherkömmlicher typischer Überlieferung." Was "altherkömmlicher typischer Überlieferung" in diesem Fall bedeutet, würde man aber heute eher mit den bildlichen und sprachlichen Darstellungen des Stürmers assoziieren.

Nun, damals war das eine Sache, heute legen wir Wert darauf, dass unser Menschenbild und das Menschenbild unserer Kinder nicht länger von "altherkömmlicher typischer Überlieferung" dieser Art gespeist werden. "Altherkömmliche typische Überlieferung" in dieser Ausprägung ist so ungefähr genau das, was wir absolut nicht wollen. Es ist das, was wir sonst mit der Waldorfpädagogik bekämpfen, es ist das Gegenteil von allem was uns und Rudolf Steiner Ideal war und ist. Und dennoch wird es jedes Jahr im Weihnachtsprogramm in vielen anthroposophischen Einrichtungen gezeigt.

Besonders gruselig wird das Ganze, wenn dazu noch in einführenden Worten (und gerne mit bedeutungsschwerer Stimme) betont wird, dass man es bei den Oberufer Weihnachtsspielen mit "Urbildern" zu tun habe. Mit vermeintlich tiefen, archaischen Wirklichkeiten, die sich einer modernen Umdeutung angeblich entziehen. Bei der Maria und dem lieben Josef mag das ja noch angehen, aber der kreischende, entstellte, anti-individuell sich im Chor zuckend bewegende, hässlich geschminkte Jude - ein Urbild? Na, vielen Dank. Besser: Nein, Danke!
Wie gesagt: Der Text, den die Juden im Dreikönigsspiel zu sprechen haben, entspricht dem von historischen Schriftgelehrten, er ist mehr oder weniger neutral und würde als solcher keine Sorgen bereiten. Umso mehr muss es da verwundern, dass sich die künstlerisch-praktische Darstellung ohne Not dermaßen plump auf antisemitische Klischees stützt.

Zwar macht Schröer in seinen Kommentaren deutlich, dass "keine Juden unserer Zeit" nachgemacht werden, aber nur um zu unterstreichen, dass man sie kostümtechnisch den anderen Schauspielern anpassen soll, also mit "mittelalterlicher Judenmützen" statt einfacher Kippa. Ansonsten macht er keinen Hehl daraus, dass die Darstellung an alberner Boshaftigkeit alles aufzubieten hat, was man so kennt an "typischer Überlieferung": "Unverständliches Sprechen, kreischendes Organ, ungemein lebhafte Gebärde, stete Beweglichkeit, mit den Lippen schmatzen...". In den Jahrzehnten haben die Darsteller sich an diese Vorgaben gehalten oder sie noch zu übertrumpfen versucht.

Auch Steiner, der seinerzeit selbst viele Proben zu den drei Stücken leitete und alle Rollen selbst vorspielte, hielt sich offenbar in seiner schauspielerischen Interpretation nicht an den neutralen Text, sondern gab den Juden eindeutige negative Charakterzüge, wie sich ein begeisterter Augenzeuge erinnert, der Steiners persönlichen Einsatz als "Jude" miterlebte: "...unheimlich gruselig war das Sprechen der Juden. Es lief einem kalt über den Rücken."

"Sonst reiten Sie sich noch viel tiefer hinein"
Warum nur wird in der anthroposophischen Bewegung und vor allem in der Waldorfschulbewegung weiter dieses Programm gefahren, das keinerlei öffentlicher Diskussion standhalten würde, mit dem sie aber auch jeden modernen Diskurs über Theater, Traditionen, Pädagogik und Menschenwürde gnadenlos verlieren würde? Warum zeigt man sich blind gegenüber diesen unzeitgemäßen Auswüchsen, die so ganz gegen das eigentliche Menschenbild dieser spirituellen Bewegung sprechen? Warum reagieren die SchülerInnen der Mittel,- und Oberstufe höchstens mit Langeweile, aber nicht mit Aufschrei, warum tun Eltern sich das an, warum spielen Lehrer weiter mit, warum zum Teufel merkt das keiner? Das wirft den eigentlichen Schatten auf das ganze Theater, das selber den Anspruch hat, viel mehr zu sein als nur Theater. Wer diesen strengen Anspruch hat, darf sich auch vor strengen Fragen nicht ducken.

Muss man hier latenten Antisemitismus unterstellen, wie es Kritiker der Waldorfpädagogik immer wieder tun? Oder ist es einfach nur Dummheit? Oder falsch verstandene Treue einer überholten Tradition gegenüber? Oder ist es tölpelhafte Unsensibilität gegenüber dem jüdischen Volk, welches abstrakte Karikaturdebatten immer vor dem realen Hintergrund von Gaskammern führen wird. Oder ist es doch das alte Guruproblem - was Steiner eingeführt hat, das ist unverrückbar? Zumindest den Waldorfschulen könnte bei diesem Guruproblem geholfen werden denn, " o wunder und Wunder überaus" (noch so ein Oberuferer Insider): Steiner selbst hat die Spiele nicht in der Waldorfschule eingeführt. Im Gegenteil. Er hat sich sogar strikt dagegen ausgesprochen. Auf die entsprechende Frage eines Lehrers antworte Steiner in einer Konferenz sichtlich ärgerlich und über den Enthusiasmus der Lehrer ironisch amüsiert: "Ich wünsche, dass für die Schule auch die gleiche Begeisterung vorhanden wäre, wie für die Aufführung. Es wird die Aufmerksamkeit abgelenkt vom Unterricht. Wenn die Kinder etwas aufführen würden, so wäre das nicht so gefährlich. Ich glaube, Sie lassen das. Sonst reiten Sie sich noch viel tiefer hinein. - ...Ich glaube Sie sind so begeistert für die Sache wie ein Stehaufmännchen für die Aufrechthaltung. In Wien sagt man ‚a Mendlsstehauf'."

Wie wäre es, wenn man den wenigen löblichen Beispielen vereinzelter "Kumpaneien" (so nennt sich die Truppe die eines dieser Stücke einübt) folgt und diese "Judenszene" neu und zeitgemäß überarbeitet und die antijüdischen Klischees und platten Schemata zugunsten einer historischen Textnähe radikal korrigiert. Dabei könnte man auch die Sprache dem jeweiligen "einfachen Volk" anpassen und alternativ in Kölsch, Schwäbisch oder Italienisch-Türkisch-Deutsch-Multikulti parlieren. Die einzige weitere andere Alternative: Man verzichtet ganz auf dieses Stück. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel das: Treffen sich zwei Waldorfschüler: Sagt der eine: "Ist deine Schule auch verklagt worden?"