magazin info3/archiv/ 0000

Es ist da: Das Adressenverzeichnis Anthroposophie 2006/2007!

Von Felix Hau

Mit gehöriger Verzögerung, aber in Wesen und Erscheinung noch beeindruckender als erhofft, ist es nun endlich erschienen: das Adressenverzeichnis 2006/2007 aus dem info3-Verlag. Felix Hau hat das Ereignis zum Anlass genommen, einen kurzen Abriss der bewegten Geschichte dieser Institution aufzuschreiben - bevor das gesamte Team glücklich und erleichtert die Korken knallen lässt, um das Opus gebührend zu feiern.


Mit einem kleinen Skandal fing zu Beginn der Neunzigerjahre alles an. Was sich daraus entwickelte - und wie es sich entwickelte - erscheint mir typisch für uns "info3-ler" und unser Umgehen mit Problemen zu sein: wir begreifen sie als Chancen.

Markus Schmidt, ehemaliger Verlagsmitarbeiter, hatte1992 die Herausgabe eines Miniatur-Adressenverzeichnisses für die anthroposophische Bewegung angekündigt. Bei info3-Geschäftsführer Ramon Brüll leuchtete daraufhin eine kleine Warnlampe; er hatte da so eine Ahnung und verifizierte sie umgehend: Und richtig; Markus Schmidt hatte bei seinem Ausscheiden aus dem Verlag die info3-Kunden-Adressen mitgenommen.

Was andernorts nun zu viel Streiterei und Katerstimmung führen würde, war für unseren begeisterten Ermöglicher der Umsetzung guter Ideen Anlass zu einer Kooperation. So erschien also 1993, in Zusammenarbeit mit Markus Schmidt, das erste Adressenverzeichnis anthroposophischer Einrichtungen. Und zwar erschien es als Anhang eines Taschenkalenders, was sich als veritabler Verkaufsflop erwies. Aber auch daraus lässt sich ja lernen und so wurde das Adressenverzeichnis in den folgenden Jahren jeweils umstrukturiert, übersichtlicher gestaltet und immer vollständiger.

Das Bemühen um Vollständigkeit war es allerdings - und blieb es noch bis zur letzten Ausgabe 2003/2004 -, das immer wieder zu merkwürdigen Phänomenen führte. So war es lange Zeit beinahe unmöglich, an eine umfängliche Adressenliste anthroposophischer Ärzte zu kommen. Das Argument für den Verschluss auf Verbandsseite lautete, man würde ja dann noch mehr Patientenandrang haben, wenn die Leute sich gezielt für anthroposophische Ärzte entscheiden könnten. Ähnlich spannend machte es die Christengemeinschaft, die in der Vergangenheit nicht einmal die Gemeindeadressen und diesmal ihre Auslandsadressen nicht öffentlich mitteilen wollte. Eine frühere Adressenverzeichnis-Redaktion war dann schon mal in der interessanten Lage, zwar über eine zugespielte interne Pfarrerliste zu verfügen, auf die aber kein Bezugnehmen zu dürfen. Und auch der Demeterbund hatte anfänglich große Bedenken, seine Mitgliederadressen zu veröffentlichen; man befürchtete, es könne einmal wieder eine Diktatur Fuß fassen und die Machthaber hätten dann auf einen Schlag die Adressen aller Einrichtungen, die verboten werden könnten, griffbereit.

Inzwischen ist dieses Fremdeln gegenüber der Öffentlichkeit dankenswerterweise weitgehend Geschichte und die Adresse eines anthroposophische Arztes oder der nächstliegenden Gemeinde der Christengemeinschaft findet man mittlerweile sogar im Internet. Dazu hat gerade die Institution "Adressenverzeichnis Anthroposophie" einen guten Teil beigetragen. Die Zusammenarbeit mit den meisten Verbänden ist heute sehr kooperativ und konstruktiv und macht schon allein deshalb Freude.

Bei der nun erschienenen aktuellen Ausgabe lagen die Probleme zwar an ganz anderer Stelle - aber es waren wahrlich nicht weniger. Es wurden sogar täglich mehr. Die größte Schwierigkeit bereitete diesmal der Satz, also die Aufbereitung unserer gesammelten und aktualisierten Daten für den Druck. "Alle reden von Database-Publishing, sehen sich aber schon bei simplen Querverweisen vor eine unüberwindliche Hürde gestellt", schüttelte Ramon Brüll den Kopf, als der dritte Profi an der Aufgabe zu scheitern drohte.

Auch der Entschluss, das bisherige "Ausbildungsverzeichnis Anthroposophie" zu integrieren, der mitten in der Produktion fiel, beschleunigte die Sache nicht gerade, erhöht den Gebrauchswert des Verzeichnisses aber noch einmal deutlich.
Allen Hindernissen zum Trotz rückte schließlich der heiß ersehnte Tag der Anlieferung der gedruckten Verzeichnisse auf zwölf großen Paletten näher. Ganz info3-Land sang bereits im Traum "Einmal werden wir noch wach …". Und dann kam er auch, der Tag. Was nicht kam, weil's nicht kommen konnte, war der LKW. Wir sahen ihn schon oben an der Straße stehen, aber er war zu breit für die Niederurseler Fachwerkwelt und fuhr voll beladen wieder seiner Wege, um seine kostbare Fracht - irgendwo, fern der Heimat -, einem kleineren Brüderchen zu überantworten, das - irgendwann, in ferner Zukunft - dann einen neuen Vorstoß unternehmen sollte.

Der hat nun aber funktioniert, es ist endlich da und es ist wirklich beeindruckend. "Es ist", wie Ramon Brüll es treffend formulierte, "ein Werk geworden, an dem niemand vorbeikommt - allein schon in physischer Hinsicht."
Statt der geplanten 400 sind es 800 Seiten geworden. Über 8.000 Adressen sind vertreten; mehr als 70 Verbände haben ihre Mitgliederlisten zu Verfügung gestellt, damit wir die einzelnen Adressaten anschreiben und die Aufnahme anbieten konnten. Ein Großteil des info3-Teams hat an diesem Opus mit etlichen Überstunden und teilweise auf Kosten der Gesundheit wie wahnsinnig gearbeitet - und wir sind der Überzeugung: es hat sich gelohnt. Es ist der umfassendste, vollständigste, gebrauchsfreundlichste und schönste Beweis dafür, wie umfangreich und vielfältig die anthroposophische Bewegung ist; es ist das beste Adressenverzeichnis aller Zeiten geworden.

Damit zeigt sich auch einmal mehr, dass Projekte in freier Initiative und ohne Subventionierung sich durch hohe Qualität auszeichnen - auch, wenn man meinen könnte, die arbeitsaufwändige Zusammenstellung und Herausgabe eines solchen Adressenverzeichnisses falle eigentlich in den Aufgabenbereich der Anthroposophischen Gesellschaft.

Eine neue Erkenntnis hat die diesmalige Produktion unserem Geschäftsführer Ramon Brüll, der das Projekt zu seinem "Kind" erkoren hatte und von Konzept über Durchführung bis Finish alle einzelnen Felder selbst maßgeblich beackerte, auch noch beschert. Nachdem er den Fragebogen für die Adressenkorrektur und -neueintragung in mehreren Durchgängen endlich völlig unmissverständlich, eindeutig und perfekt gestaltet hatte, manch Angeschriebener dann aber unter "Größe der Einrichtung: … Mitarbeiter" die Quadratmeterzahl der Räumlichkeiten angab, saß er andächtig an seinem Schreibtisch, blickte sinnend in die Weite und sprach: "Ich habe mittlerweile echten Respekt vor den Menschen, die diese Vordrucke für Steuererklärungen entwerfen".