Gronbachs Kolumne
Die Sehnsucht dahinter: BILD-Zeitung
Von Sebastian Gronbach
Sehnsucht ist seelischer Hunger. Die spirituelle Nahrung mit dem höchsten Nährwert sind Anerkennung und Liebe. Jedes Wesen sehnt sich existentiell nach diesem wundervollen Energiegenuss. Nun gibt es Wesen, die sind recht hässlich und unleidlich. Auch sie brauchen Lebensenergie und haben eine Sehnsucht. Ihnen bleiben als Sehnsuchtsnahrung nur die schwarzen Geschwister von Anerkennung und Liebe: Ablehnung und Hass. Sie stillen nicht die Ur-Sehnsucht, machen aber dunkel, stark, hart und zäh.
BILD ist die dunkle Königin unter den Zeitungen. Sie zeigt in Riesengröße, was Journalisten tun und sind. Journalisten spiegeln die Wunden der Gesellschaft und verbergen dabei nicht nur ihre privaten Eiterbeulen, sondern sorgen bei ihren LeserInnen auch dafür, dass diese nicht auf ihre eignen Schatten sondern nur auf die Dunkelheit "der anderen" schauen. Unter der Decke die der Journalist "den anderen" wegzerrt, können sich seine LeserInnen bequem einmummeln. Die Maske die dem Nachbarn vom Gesicht gerissen wird, passt wie angegossen auf die eigene, schiefe Visage.
Wer die Sehnsucht hat ein besserer Mensch zu sein, wer sich danach sehnt zu den Guten zu gehören, wer die Bestätigung braucht, dass er auf der richtigen Seite steht, der braucht die Journalisten. Auch und gerade so genannter "kritischer Journalismus" ist Wohlfühl-Journalismus. Spiegel- Leser schlafen besser und Monitor ist des Deutschen liebste Kuschelsendung.
Journalisten sind die Doppelgänger einer Gesellschaft. BILD ist der kollektive Doppelgänger aller Deutschen die sich für etwas besseres halten als BILD. Sie ist das, was wir an uns ablehnen und ins Unbewusste verdrängen, das was wir als Nation nie mehr sein wollen und was doch in uns grollt: BILD weiß alles, war überall dabei und hat zu allem eine Meinung. BILD ist laut, hart, gierig, spießig, sexistisch, heuchlerisch und vor allem stolz und mächtig. Nein, so wollen wir nicht sein - so sind nur "die anderen". BILD-Deutschen. Die Gut-Deutschen sehnen sich danach besser zu sein als BILD und darum müssen sie auf BILD schimpfen. Laut und hart.
Warum ist BILD so erfolgreich? Einmal weil sie sich dafür bezahlen lässt, die größte Projektionsfläche für alles das zu sein was die Gut-Deutschen nicht sein wollen. Zum andern weil das BILD-Wesen eine unerschöpfliche Energiequelle hat: Ablehnung und Hass. BILD hat sich immer so aufgeführt, dass selbst ein Blinder am Krückstock mit seiner Kritik traf. Wer BILD anprangert hat den Applaus der kritischen Masse grundsätzlich auf seiner Seite. Wer auf BILD spuckt, trifft immer. Die effektivsten spirituellen Energiespender dieses deutschen Schatten-BILDes waren und sind aber ihre Gegner: Gerade diejenigen die sie äußerlich am heftigsten bekämpften, pumpten sie innerlich mit schwarzer, kräftigender Muttermilch voll. Die Bölls und Wallraffs sind die eigentlichen Ammen der BILD. Ihr verstoßenes, dunkles Selbst fand in den Redaktionsräumen eine Heimat.
Konservative und Liberale glauben sie können alles besser. Links-Alternative glauben sie sind besser. Das erste ist praktische und ärgerliche, das zweite moralische und gefährliche Überheblichkeit. Diese "Wir-sind-eigentlich-die-besseren-Menschen"-Überzeugung der Links-Alternativen ist die große Lebenslüge der 68er. Denn aus diesem Glauben an die grundsätzliche moralisch-menschliche Überlegenheit entstand die finstere Energie, die auch die BILD groß gemacht hat (und Rot-Grün scheitern ließ - wer besser ist, braucht nichts besser zu machen).
Die Links-Alternativen machten einmal aus Menschen die bei der Polizei ihrer Arbeit nachgingen "Bullenschweine", aus einer freien Presse die "Schweinepresse" und jeder der für das "Schweinesystem" arbeitete war ein Schwein. Gestern Schweine, heute Heuschrecken, vorgestern Ungeziefer. In dieser Sprache offenbart sich der Virus der aus Menschen Herrenmenschen macht. Herrenmenschen und Gut-Menschen sind Verwandte. Diese Hass-Energie hat auch BILD von innen stark hart und zäh gemacht und schlägt sich in jeder Schlagzeile nieder. Die Ur-Sehnsucht der BILD-Macher nach Anerkennung und Liebe wurde nie gestillt. Aber diese Sehnsucht existiert. Wer BILD unbefangen liest, dem springt sie auf jeder Seite entgegen.
Wie kann die Sehnsucht dieses DoppelBILDwesens nach Liebe und Anerkennung erfüllt und der unbewusste und unbewältigte Teil unseres Selbst erlöst werden? Arbeitsanleitung: Erste Woche: Jeden Tag BILD lesen. Alle Negativität, die einem entgegenkommt, einatmen, durch das Herz führen und als Liebe wieder ausatmen. Zweite Woche: Jeden Tag BILD lesen. Unbefangen und ohne Urteil. Dritte Woche: Jeden Tag eine bereits gelesene Ausgabe erneut lesen. Dieses Mal mit Positivität alles aufnehmen. In jedem Gelesenen die goldenen Körner finden, sich so mit dem Blatt verbinden, dass nur noch positive Gedanken und Gefühle mit dem Autor, der Geschichte oder der Zeitung verbunden sind. BILD schrieb "Wir sind Papst". BILD wird aufhören diese BILD zu sein, wenn wir anerkennen und lieben: "Wir sind BILD".
Herzlich - Ihr Sebastian Gronbach
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