Rassismus-Vorwürfe gegen die Anthroposophie
Von Red.
Eine Stellungnahme des INMEDIA-Newsletters und der Zeitschrift info3
Zum Thema unterschiedlicher menschlicher Rassen gibt es Äußerungen Rudolf Steiners, die in der Tat problematisch sind. Während sie im Kontext der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch relativierbar erscheinen, ist es wichtig, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass diese Äußerungen heute befremdlich und teilweise auch diskriminierend wirken. Dies hat bereits im Jahr 1998 auch eine von Anthroposophen eingesetzte Fachkommission selbstkritisch eingeräumt, die zu dem Ergebnis kam, dass es bei Steiner keinen "Rassismus", wohl aber einige nach heutigen Maßstäben diskriminierend wirkende Äußerungen gibt. Diese sind zum Beispiel die Aussagen über die negativen Folgen der Lektüre von "Negerromanen" oder das angeblich "notwendige" Aussterben der Indianer. Diese Aussagen sind so verletzend und falsch, dass sie unter keinen Umständen und zu keinem Zeitpunkt richtig gewesen sein konnten.
Entscheidend ist, dass diese zu Recht kritisierten Bemerkungen Steiners nie eine Rolle für das Werk Rudolf Steiners oder für die in den anthroposophischen Arbeitsfeldern stehenden Menschen gespielt haben und dass sie in keiner Weise für sie relevant sind.
Sollte dies in einzelnen Fällen dennoch vorkommen, werden kritische Beiträge als Anreiz genommen, etwaigen Vorwürfen nachzugehen und eventuelle Fehlleistungen abzustellen. In diesem Sinne unterstützen wir jeden fairen Versuch, Anthroposophie von Diskriminierungen jeder Art frei zu halten, verwahren uns aber auch gegen pauschale Verdächtigungen. Entgegen einem verbreiteten Vorurteil ist nämlich nicht jedes Wort Rudolf Steiners für die, die sein Werk in Theorie und Praxis weiterbringen wollen, eine unantastbare Offenbarung.
Selbstverständlich muss auch Steiner gegenüber die Möglichkeit von Irrtum und Fehlleistungen eingeräumt werden. Vereinzelte Fehlgriffe Rudolf Steiners sind, wie bei allen Mitmenschen, verzeihlich und mindern in keiner Weise die spirituelle und humanistische Bedeutung seines Gesamtwerkes und schon gar nicht die Integrität seiner herausragenden Persönlichkeit. Eine kritische und emanzipierte Würdigung der Person und des Werkes Steiners trägt dazu bei, dass die überwältigend positiven Anregungen aus der Anthroposophie weiterhin voll wirksam sein können.
Fehlbar sind aber vor allem immer wieder einzelne Vertreter der anthroposophischen Bewegung. Wie in allen gesellschaftlichen Bereichen finden sich auch hier Dogmatiker und ewig Gestrige. Abgesehen davon bleibt festzustellen, dass Anthroposophie eine internationale, der Vielfalt der Kulturen positiv gegenüberstehende spirituelle Strömung darstellt. Sie setzt sich nachweislich seit ihrer Gründung und prinzipiell ohne Einschränkung mit aller Kraft für das Recht jedes Menschen ein, sich körperlich, seelisch und geistig ohne Rücksicht auf seine religiöse, nationale oder ethnische Herkunft nach seinen individuellen Bedürfnissen zu entfalten.
Der Anthroposophie gilt diese Selbstverwirklichung als grundlegendes Menschenrecht und sie stellt zu ihrer Umsetzung zahlreiche und wirksame Hilfen zur Verfügung.
Frankfurt am Main, Frühjahr 2006
Literaturhinweis: Eine ausführliche, selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Thema findet sich in: Ted van Baarda (Hg.): Anthroposophie und die Frage der Rassen, Frankfurt 1998..
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