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Ein Bekennerschreiben aus der freien Welt

Prost London!

Von Sebastian Gronbach

Ihr islamistischen Terroristen,
ich wollte euch erzählen, was ich nach eurem Terroranschlag getan habe. Zunächst war ich entsetzt und traurig, hatte Angst und wollte ein Massenevent absagen, auf das ich mich gefreut hatte. Dann hab ich mich doch dafür entschieden. Für mein Leben und gegen eure Angstmache. Ich habe dann später eine besonders gute Flasche Wein geöffnet. Ich habe auf London angestoßen. Ich habe auf den jungen Mann in einem Pub getrunken, der von einem Journalisten nach den persönlichen Konsequenzen gefragte wurde, die er aus dem Massaker ziehen würde: "Ich werde jetzt saufen. Islamisten dürfen kein Bier trinken, aber wir dürfen Bier trinken." Diesem jungen Mann und seinen gelassenen Mitbürgern proste ich zu. Wir beide haben getan, was ihr Attentäter nicht dürft. Wir haben die Freiheit, die ihr Islamisten nicht habt und die ihr uns nehmen wollt.

Wir dürfen trinken und essen, was wir wollen und was uns schmeckt, nicht nur das, was in alten Büchern steht und euch von bärtigen Predigern vorgeschrieben wird. Wir dürfen jede Musik hören. Nicht nur Gesänge über den großen Gott und die Heldentaten von mörderischen Märtyrern, sondern was uns gefällt. Mozart und die Beatles. Freude schöner Götterfunke und gotteslästerlichen Rock n ´roll - oder gar nichts. Wir entscheiden das selber.

Der junge Mann in London und ich dürfen freie Frauen lieben und unsere freien Frauen dürfen "ja" und "nein" sagen. Eure Frauen sind Gefangene und dürfen nur sagen und tun, was ihr Männer bestimmt; und ihr Männer dürft nur bestimmen, was andere Männer über euch bestimmen.
Eure Frauen dürfen nicht lieben und heiraten, wen sie wollen, und das Wort "Zwangsehe" ist nur ein Euphemismus für lebenslängliche Vergewaltigung. Ihr seid keine modernen Männer, ihr seid Karikaturen von Hintervorgestern.

Wenn der junge Mann aus London am Abend nach Hause geht, kann er sein buddhistisches Mantram sprechen oder vorher in eine christliche Kirche gehen oder zu seinem Bücherschrank. Er darf dort ein Buch von Rudolf Steiner lesen oder eines von Nietzsche, von Ken Wilber oder Albert Einstein. In eurer Welt darf er das alles nicht. In unserer Welt darf er auch seinen Gebetsteppich ausrollen und sich vor Allah verneigen. Ihr tötet uns, wenn wir in eurer Welt die Bibel verteilen. In unserer Welt stellen wir Polizisten vor das Haus eines Moslems, falls er daran gehindert werden sollte seine Religion auszuüben. Das ist der Unterschied. Wir ermöglichen Freiheit, ihr tötet Freiheit.

Für eure Einfältigkeit und Armut macht ihr andere verantwortlich. Die Juden, die Amerikaner und den Westen. Das ist einfach. Schuld sind immer die anderen. Aber euer Leben gelingt vor allem aus einem Grund nicht: weil euer Wertesystem nicht mehr den Anforderungen der Zeit entspricht. Ihr lebt im Gestern, wir aber wollen heute und morgen leben. Ihr versucht das Gestern in das Morgen zu retten, aber das geht nicht; ihr verweigert Euch der Moderne.

Wir im Westen haben das lange nicht verstanden und dachten, es gehe um Religion oder um Gerechtigkeit, um Armut und Reichtum. Aber das haben wir falsch verstanden, weil wir von unserem Wertesystem ausgingen. In unserem Wertesystem will jedermann unabhängig, frei und für sich selber handeln und wir gingen davon aus, dass jeder in der Welt so ist wie wir. Wir dachten sogar, wir müssten so denken, weil wir Angst hatten, dass man uns sonst Rassisten nennt, wenn wir davon sprechen, dass Menschen unterschiedlich sind. Aber es geht um etwas ganz anderes.

Der geopolitische Aktivist Don Beck hat etwas Kluges gesagt: "Wir (im Westen) gehen davon aus, dass jeder in der Welt so ist wie wir. So sind wir in den Irak eingedrungen in dem Glauben, dass die Demokratie dort mit offenen Armen empfangen würde - dass jeder, egal wer, alles werden kann, was er möchte und es auch tun wird, sobald er die Gelegenheit dazu hat. Was dabei nicht in Betracht gezogen wird, ist die Tatsache, dass in der muslimischen Welt die Stammesidentität immer noch in sehr starkem Maße besteht, bei der das Hauptinteresse darin liegt, eine Großfamilie zu haben und Verwandte miteinander zu verheiraten. Weil diese Kulturen aus starken Stammessklaven kommen und aus machtgetriebenen Königreichen ist die Vetternwirtschaft fast eine zivile Pflicht. Die wirkliche Quelle des Terrorismus liegt also in den Bruderschaften, die das gegenwärtige System, den Protektionismus und das Familienerbe der alten Ordnung angreifen, die den gewöhnlichen Mann von der Beute fern und fünfzig Millionen arabische Männer in archaischen Königreichen gefangen halten", so Don Beck.

Ihr islamistischen Terroristen seid nicht die Opfer der Amerikaner, der Juden oder des Westens. Wenn ihr überhaupt Opfer seid, dann dasjenige eurer eigenen Herrscher von Gestern, dasjenige eurer eigenen Wertestruktur. Noch mal Beck: "Es geht nicht um Genetik oder Geografie. Es geht um Wertestrukturen."

Um es klar zu sagen: Wir haben eine andere Wertestruktur, die sich von eurer vor allem in einem Punkt unterscheidet. Unsere ist von heute und für heute. Unsere Wertestruktur ermöglicht gutes Leben, eure führt zu Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Armut. Beweise? Schaut auf euch und schaut auf uns.

Ob unsere Werte, Normen und Konzepte zukunftsfähig sind, darüber streiten wir uns, darüber denken wir nach und darüber machen wir uns wirklich Sorgen - aber wir schießen uns nicht tot deswegen. Wir benutzen unseren Kopf und unser Herz und versuchen aus alten Strukturen Neues zu kreieren, wir bemühen uns um Entwicklung, versuchen aus Fehlern zu lernen und wir nehmen uns die Freiheit, weiter nach vorne zu gehen.

In eurer Welt ist kein Platz für das freie Leben. In eurer Welt wird die Freiheit gefoltert und das Leben ist eingemauert und umzingelt. Von Verboten und Geboten, von falscher Ehre und unmenschlichem Stolz, von Todessehnsucht und Verachtung. Euer Leben funktioniert nur mit Hass und Wut, mit Mord und Totschlag. In eurem Leben jubelt und tanzt man, wenn auf einem israelischen Markplatz Frauen, Männern und Kindern durch eure Selbstmordattentäter zerfetzt werden. Der Attentäter ist tot, die Frauen, Männer und Kinder sind tot und ihr freut euch. Bis vor einer Weile glaubte ich, die ohnmächtige Wut, resultierend aus Unterdrückung, Armut und Vertreibung hätte euch in diesen Krieg getrieben, aber das habe ich falsch gesehen. Ihr Islamisten meint tatsächlich, was ihr uns nach dem Massaker von Madrid aufgeschrieben habt: "Ihr liebt das Leben und wir den Tod".
Das sind eure Werte. Ihr liebt den Tod, die Vernichtung des Lebens und die Folter der Freiheit.

Ja, der Mann in London und ich wir lieben das Leben und das macht uns verletzlich. Wir haben etwas Zartes, Zerbrechliches und unsagbar Wertvolles. Ihr habt nur die Negation davon. Und mit dieser kalten Verneinung könnt ihr unser pulsierendes Leben auslöschen. Aber unser freies Leben wird immer stärker sein, als euer dämlicher Mord. Ihr fühlt euch stark, weil ihr glaubt, dass selbst der Tod von Bin Laden Euch nichts schaden wird, weil immer wieder neue Bin Ladens auftauchen werden. Das mag stimmen, aber ich werde euch ein Geheimnis verraten: Bei uns steht hinter jedem getöteten freien Bürger ein lebender freier Bürger. Jedes Haus, das ihr uns zerstört, wird wieder aufgebaut. Jeder Zug, den ihr in die Luft jagt, wird wieder auf die Schienen gesetzt und am Morgen nach euren Bomben tun wir alle das, was wir immer wieder und immer wieder tun werden: aufstehen und leben, wie wir wollen!

Wir sagen das nicht nur, das ist keine Propaganda sondern eine nachprüfbare Tatsache. New York lebt, macht Geld und lacht, Madrid tanzt und London bleibt verdammt cool.
Wir wissen, dass euch das ärgert, aber wir haben die Freiheit, den starken Willen und alle Mittel, so zu leben, wie wir das wollen. Ihr seid Terroristen, aber wir lassen uns nicht terrorisieren. Wir hören nicht auf mit Olympia, Weltjugendtag und buntem Großstadtleben. Nicht mit kurzen Röcken, freien Reden und Gleichheit vor dem Gesetz.
Eurer Ideologie des Todes und des Hasses setzten wir die Ideologie der Hoffnung und des Mitgefühls und der Freude entgegen. Wir leben, wie wir wollen, und wir wollen, dass jeder in Frieden und Freiheit so leben kann wie er will. Wir finden, dass die Freiheit auch immer die Freiheit des Andersdenkenden ist. Wir bieten euch an, so mit uns zu leben; wir bieten euch die großartigen Errungenschaften soziale Leistungen, erstklassige Bildung und kulturelle Vielfalt an. Aber wir bekämpfen jeden, der uns dieses Leben nehmen will. Wir kämpfen innerlich mit Gelassenheit und Verstand, äußerlich mit Konsequenz, Sachlichkeit und Entschlossenheit.

Ihr hasst uns. Wir hassen euch nicht; wir versuchen auch im Krieg die Würde des Menschen zu bewahren. Wenn manche von uns wie Unmenschen handeln, dann ziehen wir sie zur Rechenschaft. Eure Folterer bekommen ein Lächeln und Geld, unsere Folterer kommen ins Gefängnis und bezahlen Geld. Wir nennen das Rechtsstaat. Rechtsstaat bedeutet nicht, dass kein Unrecht geschieht, sondern das Unrecht sanktioniert wird.

Auch wir kämpfen, auch wir ziehen in den Krieg, auch wir töten. Wenn wir in den Krieg ziehen, dann verteidigen wir das Leben und die Rechte von unschuldigen Menschen. Wenn einer unserer Führer gegen diese humanistischen Werte handelt, dann haben wir uns da was einfallen lassen: wir wählen ihn ab. Das nennen wir Demokratie.

Wenn wir unseren Machtbereich ausbreiten, dann bekommen die Menschen dort Rechte, Chancen und eine Stimme. Wenn ihr euch ausbreitet, bekommen sie ein Kopftuch, Denk- und Redeverbot und sie werden ärmer.

Wir beenden nicht mutwillig das Leben von unschuldigen Menschen, wir beenden das Leben von schuldigen Diktatoren, wir freuen uns nicht über tote Kinder in Schulen, wir hassen nicht mal ihre Mörder, aber wir stoppen ihr Morden - notfalls mit Gewalt. Wir stellen Tyrannen vor Gericht, befreien Völker aus Konzentrationslagern und entschärfen Massenvernichtungswaffen. Im Irak ist es gelungen, eine monströse Massenvernichtungswaffe zu entschärfen, die bereits eine Millionen Menschen in Massengräber gebracht hat. Diese Massenvernichtungswaffe sitzt im Gefängnis, bekommt zu essen und zu trinken und darf sich mit einem teuren Anwalt auf den Prozeß vorbereiten. Ein grandioser militärischer und menschlicher Erfolg eines demokratischen Systems, den ihr mit euren Bomben nicht zerstören werdet.

Es gibt unterschiedliche Kriege, aber man muss schon ein wenig denken können, um das zu begreifen. Auch bei uns begreift das nicht jeder, aber wir setzen uns dafür ein, dass selbst dumme Dinge veröffentlicht und gesagt werden dürfen. Weil wir darauf vertrauen, dass Menschen sich selber ein Urteil bilden können.

Ja, unser Schmerz ist groß und ihr werdet uns noch mehr Schmerzen bereiten. Wir trauern um unsere Toten und weinen mit unseren Verwundeten. Ja, wir haben auch Angst vor euch, vor eurer unfassbaren Missachtung des Lebens. Wir fürchten uns davor, dass ihr uns in Stücke reißt, denn genau das ist euer Wunsch, den ihr wieder einmal verwirklicht habt.

Aber London hat gezeigt, dass wir lernen damit umzugehen. Wir organisieren uns neu, entwickeln innere und äußere Methoden, um aus jedem Anschlag gestärkt hervor zu gehen. Wir haben das intellektuelle und spirituelle Vermögen, eure Taten zu verstehen, angemessene Reaktionen zu entfalten und Strategien zu entwickeln, wie wir eure Angriffe verhindern, neutralisieren oder bestehen können. Vielleicht steht uns die Israelisierung der gesamten westlichen Welt bevor. Aber wir werden schnell lernen mit dieser Attacke der neuen Faschisten umzugehen. Unsere Lernfähigkeit ist größer und effektiver als euer Waffenarsenal.

Unsere Städte sind wundervolle Räume von verschiedensten Individuen, Kulturen, Religionen und Volksgruppen, aber in jedem Notfall stehen wir geschlossen als freie Bürger nebeneinander und helfen uns. Ihr trennt uns nicht, ihr schweißt uns zusammen und ihr werdet uns als Wertegemeinschaft niemals daran hindern, unser Leben zu leben, welches wir so sehr lieben.

In diesen Tagen starben Bürger einer großartigen Stadt. Ihr habt sie getötet. Es geht nicht um Gut oder Böse. Es geht viel mehr um allgemeine Menschenrechte, um erworbene humanistische Werte und um die Freiheit. Ihr Islamisten missachtet und verletzt dies alles, ihr wollt es zerstören.

Wir verstehen allmählich, dass es euch nicht um Israel, nicht um Gerechtigkeit oder den Krieg im Irak geht, es geht euch darum, euren Gottesstaat zu errichten. Aber euer Gottesstaat ist das Gegenteil von unserer Zivilisation. Wir rüsten uns für diesen Kampf der Wertestrukturen. Ihr werdet weiter unsere Fähigkeit zur Verteidigung spüren und wenn ihr den Tod wollt, dann sollt ihr ihn haben. Ihr werdet auch unsere Gelassenheit erkennen und ihr werdet vor Zorn in die Luft gehen, wenn wir weiter das lustvolle, erfolgreiche und freie Leben führen, welches wir bereit sind zu verteidigen.

Wir reichen euch die Hand und laden euch ein, an unserer Lebensform teilzunehmen. In London, New York und Berlin. In Bagdad, Teheran und Kairo. Wir sind bereit, viel Geld und menschliche Energie in demokratische, liberale und freie Systeme zu investieren. Wir sind auch bereit, von Euch zu lernen und miteinander darüber zu streiten, wo der richtige Weg hinführt. Stoppt Eure Massaker und der Dialog kann beginnen.

Zu keiner anderen Zeit gab es so viel Toleranz, Hilfsbereitschaft, Freiheit und Nächstenliebe wie zu unserer Zeit. Das sind keine islamistischen Werte, das sind nicht eure Werte. Es sind unsere Werte. Die Werte der freien Welt. Wenn ihr wollt, dann laden wir euch ein, als Muslime Teilnehmer, Brüder und Mitbürger dieser Welt zu sein; dann können wir auf London anstoßen - mit oder ohne Alkohol, das dürft ihr frei entscheiden.

Prost London! Es lebe die freie Welt!