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Liebe Leserinnen und Leser von info3!

Von Jens Heisterkamp

Derzeit verbreitet Herr Björn Steiert aus Lörrach, ein 24 Jahre junger Betreiber einer dortigen "Kulturwerkstatt", per E-mail eine Hetz-Schrift samt Boykott-Aufruf gegen info3. Dabei weiß er zu berichten, dass von uns "Rudolf Steiner als opportunistischer Lügner geschmäht" werde. Außerdem glaubt Steiert, dass von uns "die Anthroposophie als eine Erfindung betrachtet" werde. Weiter heißt es: "Ebenso wird das Christentum massiv angegriffen". Diese irritierenden Behauptungen Steierts wurden nach eigener Aussage veranlasst durch einen Artikel von Felix Hau ( info3 Ausgabe 5/2005), in dem die Einweihung Rudolf Steiners in einem neuen Licht verständlich gemacht wurde. Steiert will nun den verantwortlichen Redakteur, seine Mitarbeiter und Autoren, insbesondere Felix Hau, Sebastian Gronbach, Frank Meyer, Jens Prochnow und Michael Eggert als Verfechter einer - so wörtlich - "unchristlichen" Anthroposophie stigmatisieren. Dazu hat Steiert zwar kaum Belege aus der Zeitschrift finden können, dafür aber mehrere Dutzend persönliche Äußerungen der Genannten aus einem Internet-Forum herausgesucht und zu Abschreckungszwecken in einen tendenziösen Kontext gruppiert. Für Steierts eigenes Verständnis des Christentums (das Steiert auf 18 Manuskriptseiten übrigens völlig undefiniert lässt) ist es dabei möglicherweise nicht unwichtig, dass er, wie Äußerungen auf seiner eigenen Website zeigen, enge Verbindungen zu Willi Seiß unterhält, einem umstrittenen Okkultisten und Anhänger des zum Katholizismus konvertierten Ex-Anthroposophen Valentin Tomberg. Da man hier offensichtlich auf eine Rufschädigung unserer Zeitschrift abzielt, seien hier zunächst nur die gröbsten Unwahrheiten von Herrn Steiert richtiggestellt:


1. Mit keinem Wort ist Rudolf Steiner je in info3 als "Lügner" bezeichnet worden. Als Chefredakteur von info3 bin ich sicher: es existiert keine einzige Text-Stelle - und Steiert führt auch keine an! - welche diese Behauptung wörtlich belegen würde. Steierts Behauptung ist deshalb in Wirklichkeit selbst "lügnerisch". info3 hat sich bei vielen Gelegenheiten, z.B. bei Angriffen seitens der Medien, schützend vor Rudolf Steiner gestellt und seine Integrität verteidigt. Das Gegenteil ohne Nachweis in die Welt zu setzen ist ethisch völlig unakzeptabel.


2. Steierts Vorwurf, info3 würde "Anthroposophie als Erfindung betrachten", soll wohl so verstanden werden, als würden die Zeitschrift und ihre Autoren Anthroposophie als "bloße" Erfindung im Sinne einer reinen Fiktion auffassen. Ich habe selten einen unsinnigeren Vorwurf gehört als den, dass wir uns somit mit unserem ganzen Engagement einer bloßen "Erfindung" verschrieben hätten. Jede Ausgabe von info3 mit ihrem Bemühen, die Ideen Rudolf Steiners immer besser und immer neu zu verstehen, straft diesen Vorwurf lügen.


3. Mit buchstäblich keiner Silbe wurde in info3 jemals - wie von Steiert unterstellt - "das Christentum massiv angegriffen." Zu geistiger Freiheit, wie wir sie verstehen, gehört selbstverständlich die Freiheit der religiösen Überzeugung und die Achtung der großen Religionen. Unsere Leser wissen, dass sich info3 stets für echte Toleranz und eine spirituelle Erschließung aller großen Religionen, natürlich auch des Christentums, eingesetzt hat. "Angegriffen" werden in info3 jedoch unhinterfragte Behauptungen und dogmatische Wissensansprüche, auch was die angebliche Deutungshoheit zum Thema Anthroposophie und Christentum angeht. Was einzelne Redakteure und Autoren darüber hinaus in privaten Internetforen äußern, zumal in kontroverser Atmosphäre, ist in deren persönliche Verantwortlichkeit gestellt. Was info3 angeht, "gilt das gedruckte Wort".


4. Die Ansicht Steierts, info3 vertrete eine "unchristliche" Anthroposophie, ist eine auf Abwehrreflexe zielende Simplifizierung. Zutreffend ist vielmehr, dass es unserer Zeitschrift um eine trans-christliche Anthroposophie zu tun ist und dass wir die konfessionellen Verhaftungen, die diesen Impuls heute faktisch einengen, kritisch hinterfragen möchten. Wenn Steiert dagegen apodiktisch festsetzt, dass an der essentiellen Verbindung von Anthroposophie und Christentum "nicht gezweifelt werden kann", dann setzt er damit lediglich eine nichts sagende Leerformel dahin, wo andere schon längst intensive Erkenntnisbemühungen investieren. Gleichzeitig rät Steiert in seinem Schreiben ausdrücklich davon ab, "sich auf Diskussionen mit info3 einzulassen oder auf Anwürfe detailliert zu reagieren." Wir verstehen unter Dialog etwas anderes.


5. Steiert schreckt nicht vor dem Versuch zurück, unsere Kollegen von der Zeitschrift Das Goetheanum mit falschen Behauptungen gegen uns auszuspielen. Ohne jede Begründung wird gleich im vierten Satz als "Beweis" unserer bösen Absichten vorgebracht, info3 würde die Redakteure der Zeitschrift Das Goetheanum "mit Polemik übergießen." - Der Hintergrund dazu wird erst auf Seite 8 von Steierts Darstellung deutlich: hier zitiert er nämlich aus einem E-Mail-Wechsel einer mailing-Liste, wo ein Diskutant zur Online-Veröffentlichung des besagten Artikels von Felix Hau meint: "Du kannst doch bloß nicht erwarten, die Kommentare von Rapp zu lesen." Steiert fügt nun eigenmächtig hinzu: "womit wohl der Chefredakteur des 'Goetheanums', Dietrich Rapp gemeint sein dürfte." Ich gestehe Steiert zu, dass man sich irren kann und manchmal nicht mit Absicht die Unwahrheit sagt. Er hätte sich aber leicht denken können, dass der Goetheanum-Chefredakteur Dietrich Rapp anderes zu tun hat, als in einem Internetforum Kommentare über Artikel von info3 zu veröffentlichen. In der Tat gibt es in besagtem Forum auf unserer Website gar keinen Teilnehmer diesen Namens, wohl aber einen (dort durch seine kritische Adressen gegen Felix Hau bekannten) Horst Rapp, der jedes Posting auch unter diesem Vornamen zeichnet. Ein Denunziant, der gar nicht in diesem Internetforum beteiligt, sondern spitzelhaft auf das Herausfischen "verdächtiger" Bemerkungen aus ist, bekommt so etwas natürlich nicht mit. Und so wird flugs aus einer simplen Namens-Verwechselung ein angebliches "Übergießen" der Redakteure des Goetheanums "mit Polemik" gemacht. Ein schönes Beispiel für die "Beweisführungen" und den Stil des Herrn Steiert!


6. Wir gehen davon aus, dass Herr Steiert, der selbst ausdrücklich Wert auf wissenschaftliche Redlichkeit legt, den Anstand besitzt einzugestehen, dass er sich in der Wahl seiner Mittel vergriffen hat und dass er sich insbesondere bei allen Betroffenen für seine offensichtlichen Unwahrheiten entschuldigen wird. In Bezug auf seine verleumderischen und rufschädigenden Aktivitäten müssen wir uns andernfalls als Verlag auch juristische Schritte vorbehalten.


7. Im übrigen werden wir selbstverständlich unseren Diskurs zum Thema "trans-christliche Anthroposophie" in info3 weiterhin sachlich und mit aller Freude an der Freiheit des Geisteslebens fortführen.


Dr. Jens Heisterkamp, Chefredakteur Zeitschrift info3, Frankfurt am Main, 6. Juni 2005.

Zur Entgegnung von Felix Hau.

Jens Prochnow hat auf seiner Website den Vorgang kommentiert; über "Radio Anthroposophie" können Sie auch Steierts Text downloaden.