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Ziel und Absicht dieses Projekts

Gegen NS-Nostalgiker in den anthroposophischen Reihen

Von Jens Heisterkamp

Immer wieder gibt es einzelne Anthroposophen, die eine spirituelle Sicht der Geschichte mit eigenen Sympathien für Nationalismus und Nationalsozialismus vermischen. Regelmäßig sind Autoren in anthroposophisch orientierten Zeitschriften solchen NS-Nostalgikern aus den eigenen Reihen entgegengetreten. In einem Internet-Projekt bringt Info3 einige der wichtigsten Aktivitäten zu diesem Thema aus verschiedenen Zeitschriften zusammen.

Obwohl im Dritten Reich verboten und verfolgt, wird der Anthroposophie Rudolf Steiners immer wieder von gegnerischer Seite eine Beziehung zum Nationalsozialismus unterstellt. Nicht weniger gegnerisch sind allerdings die immer wieder auftretenden Versuche, den Nationalsozialismus und seine Untaten unter Berufung auf anthroposophisches Gedankengut zu verharmlosen. Der populärste solcher NS-Nostalgiker unter den Anthroposophen ist Werner G. Haverbeck, der 1989 mit seinem Buch »Rudolf Steiner - Anwalt fürDeutschland« Furore machte. Arfst Wagner hat seinerzeit in den "Flensburger Heften" wichtige Informationen zum Hintergrund Haverbecks zusammengetragen. Aber auch neurdings trat Haverbeck zusammen mit seiner Ehefrau noch einmal publizistisch hervor (siehe den Beitrag von Roman Schweidlenka aus der Zeitschrift "Novalis"). Zwei weitere Autoren, die mit scheinbar anthroposophischem Hintergrund reaktionäre Geschichtsthesen vertreten, wurden von Jens Heisterkamp in "Info3" in scharfer Form zurückgewiesen (siehe die Rezensionen zu Bernhard Schaub und Gennadij Bondarew).


Nach dem Wegfall des Ost-West-Gegensatzes 1989 und dem vielfach wieder salonfähig gewordenen Nationalismus erhielt - auch über den Neonazismus der Straße hinaus - ein Geschichtsbild wieder Auftrieb, für das die Leugnung der Kriegsschuld Deutschlands im Zweiten Weltkrieg und das Abstreiten der Existenz von Massenvernichtungslagern kennzeichnend ist. Diesem Phänomen des »Revisionismus« widmete die in der Schweiz erscheinenden Zeitschrift "Gegenwart" das Sonderheft »Fortwirkender Nationalsozialismus« (Nr. 2/3 1994). Darin zeigt unter anderem Gerold Aregger für den Revisionismus typische Denkstrukturen auf.


Anthroposophie ist indessen keineswegs »von Natur aus« rechtslastig. Daß man auf ihrer Urteilsgrundlage auch keineswegs bei einer bloßen Exegese der von Rudolf Steiner gegebenen Hinweis steckenbleiben muß, sondern gerade zu einer eigenständigen und kritischen Sicht der fatalen deutschen Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 gelangt, zeigt exemplarisch der Beitrag von Martin Barkhoff zum 8. Mai 1945. Er erschien 1995 in der Zeitschrift "Das Goetheanum" und ist noch immer für ein erweitertes zeitgeschichtliches Verständnis aktuell.


Gemeinsam ist allen Beiträgen eine klare Absage an esoterisch verbrämte Geschichtsfälschungen. Die hier versammelte Auswahl dokumentiert ein waches Bewußtsein gegenüber rechtsextremen Tendenzen in den eigenen Reihen, ist aber für den Außenstehenden zum Teil nur schwer zugänglich. Durch die gemeinsame Präsentation im Internet hoffen wir, diese wichtigen Beiträge besser zugänglich machen zu können. Den beteiligten Autoren und Redaktionen sei an dieser Stelle für ihre Unterstützung gedankt.