Ken Wilber in “Publik Forum”
„Publik Forum“, die Zeitung kritischer Christen, hat die Titelstory der Ausgabe vom 10. Juli Ken Wilber gewidmet – das lässt aufhorchen. Das unter Christen beider Konfessionen weit verbreitete, unabhängige Blatt signalisiert aber bereits auf dem Titel, wie die Redaktion Wilber offenbar verstanden wissen möchte: „Der umstrittene Star“ lautet die Unterzeile. Während der Einführungsartikel noch sachlich gehalten ist und mit Michael Habecker, Hilde Weckmann und Sonja Student ausgewiesene Kenner zu Wort kommen lässt, schieben die Autoren Stephan Cezanne und Hartmut Meesmann dann eine Deutung nach (leider nicht online), die das Prädikat „kritische Christen“ kaum verdient: wer wie Wilber versucht, zu einer Überschau und Synthese allen Wissens und aller Erfahrung zu kommen, muss gefährlich sein, so die Autoren, die sogar nicht zögern, die Karte des Totalitarismus-Vorwurfs zu ziehen, um Wilber zu stigmatisieren. Hier spricht eindeutig der Weltanschauungs-Wächterrat, der vor dem „vermessenen Anspruch“ Wilbers glaubt warnen zu müssen.
Dem lässt sich höchsten noch die positive Seite abgewinnen, dass die mit wenig argumentativem Aufwand betriebene Warnruf signalisiert, wie ernst selbst „kritische Christen“ die Gefahr nehmen, die von Wilber und einer evolutionären Spiritualität für geistige Wohlfühl-Nischen ausgeht, in denen schon der der Begriff „Fortschrittsdenken“ ein Unwort darstellt. Wilber vorzuwerfen, die Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität tatsächlich erkennen zu wollen, zeigt deutlich, wie sich auch Christen heute vielfach in postmodernen Pseudo-Selbstverständlichkeiten eingeigelt haben und dass sie den Zugang zu ihren eigenen Schätzen der Theologie, deren nachhaltigsten Vertretern es immer auch um nicht weniger als das Ganze ging, verloren haben. Bedauerlich, dass gerade die Erweiterungs- und Gesprächsmöglichkeiten, die Wilbers Ansatz für den Dialog der Religionen und auch für den zwischen Religion und Wissenschaft eröffnet, mit platten Warnungen zugeschüttet werden. Zum Glück läuft der interspirituelle Dialog zwischen integralen Denkern und Christen längst andernorts – und lässt sich von den anathemisierenden Voten der einschlägig bekannten Gralshüter nicht abhalten lassen werden.



Freitag, 24. Juli 2009 um 11:22 Uhr.
Nachdem Ken Wilber unter Anthroposophen auftauchte, eine gewisse Szene sich bildete, ergab sich der Eindruck, hier bildet sich eine Sektenstruktur, die ähnlich wie bei “Osho” durchaus Seelen entwickeln lässt, aber doch auch im Kerne eine materielle Existenzsicherung der “Jünger” beinhaltet. Die teuren Seminare, die Elitenbildung, das lässt aufhorchen, fragen, wohin die sog. spriituelle Reise geht.
Ich machte mir die Mühe, einen längeren Filmbeitrag von Ken Wilber besorgen zu lassen.
Welche Überraschung. Von diesem Manne strömt nicht das aus, was seine Jünger von ihm spiegeln, was also gar nicht in dem Manne ist.
Und so haben wir ein Problem, wie bei den Jüngern Steiners.
Die “Anthroposophie” findet sich nicht mehr im Werke Steiners, bei seinen Anhängern.
Wer den Hinweis des Anthroposophen Jakob Streit im Internet findet, wie Rudolf Steiner kurz nach der “Weihnachtstagung” davon spricht: “Die Weihnachtstagung ist misslungen”, sowie das Wort “zerschellt” verwendet, der darf sich fragen, was die lieben Damen und Herren Mitglieder der AAG über Jahrzehnte esoterisch pflegten, ein Scheingebilde?
Hier der link zu der Zeugenaussage:
http://www.christian-rosenkreutz-zweig.de/downloads/aktuelles/JStreit.pdf
Ob Steiner oder Wilber, das Problem scheinen die Jünger zu sein.
Vielleicht dürfen wir in uns selbst etwas entdecken, von Rudolf Steiner angekündigt und als der Ätherische Christus bezeichnet, welcher uns befähigt, jegliche Jüngerschaft irdischer Gestalten abzulegen. Mir schien bei Herrn Wilber, er will nicht das, was aus ihm gemacht wird.
Es besteht die Gefahr, das Wort “integral” verkommt zu einem esoterischen Modewort…. .
Freitag, 24. Juli 2009 um 12:32 Uhr.
Sehr geehrter Herr Heisterkamp,
ich kann Ihrer Kritik nicht folgen. Zwar ist es richtig, dass der von Ihnen erwähnte Artikel sich mit einer Kritik an Wilbers Denkmodell beschäftigt und es ist durchaus möglich, dass sich hier die Meinung der Autoren wiederfindet. Allerdings ist der Artikel sehr sauber strukturiert und es wird immer deutlich wer sich zu dem Thema äußert. So kommt der Theologe Gotthard Fuchs zu Wort von dem der Satz stammt:”Das ist in der Kraft der Zusammenschau faszinierend, hat aber auch einen Hang zum Totalitären.” Anders als bei Ihrem “brandaktuellem” Hinweis auf den “Wächterrat” handelt es sich hier also um ein Zitat und nicht unbedingt die Meinung der Autoren.
Als tendenziös bewerte ich eher den zweiten Abschnitt des Artikels - wobei ich einschränken muss, dass ich den Autoren in Ihrer Auffassung folgen kann Wilber und Cohens “Eigenwerbung” sie stellten sich den großen Fragen, etc.pp. “wirke in seinem “Pathos eher abschreckend”.
Platte Warnungen kann ich nicht erkennen, klare Abgrenzungen schon. Der für ein Dossier angemessene Rahmen von 4 Beiträgen, der Einführung, einem Interview (welches ich noch lesen muss), sowie einem Text von Wilber selbst, sowie der hier besprochene Artikel zeigt deutlich, dass diese Zeitschrift sicherlich das Prädikat “kritisch” verdient. Es sollte doch als Gewinn bewertet werden, dass eine Auseinandersetzung mit weltanschaulichen Entwicklungen stattfindet. Das ist ein Feedback. Man sollte eher Desinteresse fürchten, denn aktive Auseinandersetzung. Die von Ihnen erwähnten Nischen in denen der “interspirituelle” Dialog stattfindet wendet sich hoffentlich auch der Kritik, Differenzierung und Toleranz zu. So sind z.B. die Abschließenden Fragestellungen (des Religionsphilosophen George Adams)des Artikels ein Verweis und Angebot auf ein spannende Weiterführung eines Dialoges?
Mit freundlichem Gruß
Mittwoch, 29. Juli 2009 um 12:57 Uhr.
@ marco jansen
bevor sie der anthroposophie den rücken kehren, sollten sie sich erst noch mit den neuesten forschungsergebnissen vertraut machen - ein wilber ist da nur noch lächerlich: http://esoreikundanthroposophie.wordpress.com/2009/07/15/korrosionen-des-seins-oder-die-entdeckung-der-quastola/