Christus-Streit im „Goetheanum“
Mit einer handfesten Kontroverse um das neue Buch von Vorstandsmitglied Sergej Prokofieff wartet die aktuelle Ausgabe der anthroposophischen Wochenschrift „Das Goetheanum“ auf (online nicht verfügbar).
In dem Buch des aus Russland stammenden Vorstandsmitglieds der Anthroposophischen Gesellschaft, das gleich zwei Rezensionen erfährt, wird unter anderem der Stellenwert von Stigmatisierungen für das Verständnis des Christentums diskutiert – ein Problem, das konkret seit dem Fall der Berliner Anthroposophin Judith von Halle in der Anthroposophische Gesellschaft für Turbulenzen sorgt und zu Lagerbildungen führt. Deswegen dürfte es kaum zufällig sein, dass Prokofieff in seinem Buch mit dem Thema „Das Mysterium der Auferstehung im Lichte der Anthroposophie“ neben anderem „auf die Gefahren“ aufmerksam machen will, die im Zusammenhang mit Stigmatisierungsphänomenen „aus einem Verkennen von Rudolf Steiners Werk erwachsen“ – so jedenfalls umschreibt Heinz Zimmermann in seiner insgesamt wohlwollenden Kritik des Buches die unverhohlene Gegner-Warnung Prokofieffs. Offenbar in Übereinstimmung mit Prokofieff zeigt sich der Rezensent überzeugt, dass „die dinghaften sinnlichen Schilderungen des Christuslebens an der Zeitenwende einem leibgebundenen Bewusstsein entstammen und dem anthroposophischen Weg … völlig widersprechen.“
Im Gegensatz zu Zimmermann, der selbst langjähriges Vorstandsmitglied in Dornach war, spricht Rezensent Dietrich Rapp in seinem kontrapunktischen Beitrag offen von einem „unehrlichen Buch“, dessen Autor sich von historischen stigmatisierten Persönlichkeiten wie Katharina Emmerich abgrenze, in Wirklichkeit aber Judith von Halle meine. „Die vorgeschobene Kritik zieht in keiner Weise“, so Rapp, bis vor kurzem noch als Chefredakteur der Goetheanum-Wochenschrift tätig. Er kritisiert außerdem Prokofieff wegen seines „exclusiven Anspruchs des ‚wahren’ Christus-Verständnisses“ und sieht in ihm den Vertreter eines „östlichen Christentums“ mit „gnostisch-platonisierender Tendenz“ urteilen.
Offene Kritik an einem Vorstandsmitglied ist in der Goetheanum-Wochenschrift, die offiziell vom Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft herausgegeben wird, selten. Auch in Dornach wird indessen der Fall der seit 2004 als stigmatisiert und hellsichtig geltenden Judith von Halle kontrovers diskutiert. Vorträge von ihr im großen Goetheanum-Saal waren Berichten zufolge stark besucht. Trotz interner Differenzen findet von Halle jedoch innerhalb des Vorstands insgesamt keine Unterstützung. Dem Vernehmen nach wird für sie von einem Anhängerkreis derzeit eine eigene Wirkensstätte in der Nähe des Goetheanums geschaffen.
Für Außenstehende wirkt der Streit um Von Halle wie die Selbstzerfleischung einer religiösen Splittergruppe: während die einen auf der korrekten Auslegung von hoch esoterischen Begriffen wie „Phantomleib“ beharren und die alleinige Deutungshoheit Steiners verteidigen, bejubeln die anderen eine Stigmatisierung als Beginn einer neuen geistigen Offenbarung. Beide Seiten behaupten selbstverständlich, ihr Streit um das „wahre Christentum“ habe keineswegs mit Religion zu tun, sondern sei reine „Geisteswissenschaft“. Wo hier der Beitrag zu einer zeitgemäßen Spiritualität liegen mag, kann man wohl jeweils nur den eigenen Anhängern erklären.



Samstag, 14. Februar 2009 um 18:30 Uhr.
Guter Artikel! Ich hatte mich allerdings in den letzten Jahren immer mal wieder ein wenig gewundert, warum Info 3 sich so angestrengt bemüht, das Thema “Judith von Halle” bloß nicht irgendwie zu erwähnen…
Samstag, 14. Februar 2009 um 20:43 Uhr.
@ Zorro
sorgst du für die Wundmale?
Sonntag, 15. Februar 2009 um 11:09 Uhr.
@ Robin
Ehrlich gesagt, verstehe ich Deine Frage überhaupt nicht.
Sonntag, 15. Februar 2009 um 13:28 Uhr.
@ Zorro
was gibt´s da nicht zu verstehen? Zitat wikipedia:
“… kommen ihm [Zorro] seine herausragenden Fechtkünste zugute; als „Markenzeichen“ hinterlässt er bei seinen Gegnern stets ein geritztes „Z“ (für Zorro).”
war das so schwer?
Oder glaubst du an Anthro-Gaga-Judith-von-Halle?
An Stigmata und Leben ohne Nahrung?
So durch den Wind kann doch keiner sein!
Sonntag, 15. Februar 2009 um 20:31 Uhr.
@Robin
Ach so, klar, die Verbindung von meinen Fechtkünsten und J.v.Halle hatte ich so nicht gesehen…
Ob ich an J.v.Halle “glaube” würde ich an dieser Stelle verneinen, allerdings habe ich sie mehrmals auf Vorträgen erlebt, kenne alle ihre Bücher und finde sie mindestens sehr interessant, eigentlich auch ziemlich glaubwürdig. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es (wohl sehr selten) Menschen gibt, die Stigmata bekommen, ebenso wie es Menschen gibt (die ich kennengelernt habe), die übersinnliche Wahrnehmungen der verschiedensten Art machen können. Dass man bei der Beurteilung von solchen Dingen sehr kritisch und nüchtern sein sollte, versteht sich von selbst, mit “durch den Wind sein” hat das m.E. nichts zu tun.
Sonntag, 15. Februar 2009 um 20:51 Uhr.
@ Zorro
Kommt vor der “Höheren Erkenntnis” nicht erst mal das ganz alltägliche Verstehen, sprich “Zorro und Wundmale”?
Wie beurteilt man Stigmata? Wie ist man denn “bei der Beurteilung von solchen Dingen sehr kritisch und nüchtern”? Welche Kriterien werden bei der “geisteswissenschaftlichen” Erforschung angelegt?
Das ist totaler Nonsens. Mit Judith von Halle leistet sich die Anthroposophie nur eine weitere Farce. Nicht, dass es noch darauf ankäme.
Sonntag, 15. Februar 2009 um 23:11 Uhr.
Hallo Info 3 Redaktion, warum wird mein Kommentar von 21:32 nicht gesendet??
Montag, 16. Februar 2009 um 19:24 Uhr.
@Robin#
Natürlich, das “alltägliche Verstehen” oder der gern zitierte und in Anspruch genommene “gesunde Menschenverstand” steht eh immer an erster Stelle.
Wie “man” Stigmata beurteilt weiß ich auch nicht. Ich persönlich habe, wie gesagt, die vorhandenen Texte der Autorin intensiv gelesen, ihre Vorträge besucht, mit ihr gesprochen usw. Das Ganze eben “kritisch und nüchtern”, d.h. ich glaube natürlich nicht immer alles, was ein Vortragender mitteilt, dennoch versuche ich aber einigermaßen offen (im neugierigen, fragenden Sinne) zu sein. Es geht nicht um “Beweise”, die wären im Fall J.v.Halle auch wohl nur innerhalb einer medizinischen Studie möglich, es geht für mich darum, was “glaubwürdig” ist und da ist natürlich auch viel subjektives “unwissenschaftliches” Gefühl, vielleicht eine Art “Wahrheitssinn” mit im Spiel. (Zur Thematik “Kriterien der geisteswissenschaftlichen Erforschung” gibt es zahllose Bücher, die man lesen mag oder auch nicht, aber wenn du alles als “totalen Nonsens” empfindest, wirst Du die wahrscheinlich schon im Vorfeld ablehnen).
Montag, 16. Februar 2009 um 20:47 Uhr.
@ Zorro
du schreibst in der Tat totalen Nonsens oder anders gesagt: Anthroposophie.
Eine wissenschaftliche Studie gibt es zum Leben ohne Nahrung, zur, man lese und staune:
“Lichtnahrung”
http://www.bazonline.ch/panorama/vermischtes/Studie-entlarvt-Schweizer-Lichtesser/story/10205690
“Studie entlarvt Schweizer Lichtesser
Von Hugo Stamm
Dieses «Light-Menü» ist unbekömmlich: Eine neue Studie räumt mit dem Mythos auf, dass man sich ausschliesslich von Licht ernähren kann.
Der Anthroposoph Michael Werner verkauft sich als biologisches Wunder. Bei Fernsehtalks wie «Aeschbacher» und Interviews erklärt er unermüdlich, sich seit sieben Jahren nur von Licht zu ernähren. Auch Flüssigkeit brauche er nicht zwingend. Trotzdem verliere er kein Gewicht und fühle sich sehr vital. Er lebe von einer spirituellen oder ätherischen Energie, dem Prana. Hinweise für das Phänomen fand er auch bei Rudolf Steiner, dem Gründer der Anthroposophie.
Werner wollte beweisen, dass er ausschliesslich von Licht lebt. 2004 machte er in einem überwachten Spitalzimmer einen Selbstversuch, den die Kantonale Ethikkommission Bern bewilligt hatte. Der Chemiker ass zehn Tage lang keinen Bissen, trank aber ungesüssten Tee. Seine Körperfunktionen wurden permanent überwacht. Über seine Erfahrungen schrieb er 2005 das Buch «Leben durch Lichtnahrung». Darin erklärt Werner, man müsse darauf vertrauen, dass Licht als Entsprechung kosmischer Liebe alle materialistischen Verkrustungen aufbrechen könne.
Vernichtende Resultate
Eine Expertengruppe entlarvte diese Vorstellung soeben als Humbug. Von Lichtnahrung könne keine Rede sein, schreibt sie in ihrem Bericht. Die Resultate ergaben, dass Werner von den eigenen Körperreserven gezehrt hat. Der Stoffwechselzustand, der sich aus den täglichen Blutwerten ableiten lässt, zeigte, dass ein Hungerzustand eingetreten war. Die Körperfunktionen wurden ausschliesslich von den körpereigenen Fettreserven aufrechterhalten. Werner hat 2,6 Kilogramm abgenommen. Die Studie führt die relativ geringe Gewichtsabnahme darauf zurück, dass Werner schon vorher gefastet und den Stoffwechsel auf Sparprogramm umgeschaltet hatte. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit nahm während des Selbstversuchs ab.
Werner erklärt, dass ihn die Resultate der Studie enttäuscht haben: «Ich habe nicht damit gerechnet.» Sie sei falsch angelegt worden, schliesslich ernähre er sich immer noch von Licht. Gleichzeitig bestätigt er, dass er gelegentlich ein wenig Schokolade esse. «Wenn man nun mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: Der lügt, der spinnt, der betrügt, dann ist das okay, dann kann ich damit leben.»
Bouillon statt Licht
Tatsächlich geben die meisten Lichtesser zu, dass sie kalorienhaltige Flüssigkeiten wie Bouillon oder Fruchtsäfte trinken. Wer seinen Körper auf Diät setzt, kann mit wenigen Kalorien überleben, wie Studien zeigen.
Beteiligt am Experiment war auch Peter Heusser, zuständig für Komplementärmedizin an der Uni Bern. Heusser hält das Phänomen des Lichtessens grundsätzlich für möglich, ist aber über das Resultat der Studie nicht enttäuscht. Streng wissenschaftlich könne man ja nur sagen, dass das Experiment unter den gegebenen Bedingungen nicht funktioniert habe. Heusser stellt die Glaubwürdigkeit von Werner infrage. Den Lichtnahrungsprozess hält er trotzdem für unverantwortlich.
Die Untersuchungen haben zweifelsfrei ergeben, dass der menschliche Organismus keine Kalorien aus Luft und Licht beziehen kann. Fazit der Studie: Wer den Lichtnahrungsprozess über längere Zeit durchführt, verhungert.”
info-Block:
“Lichtnahrung
Die Idee von der Lichtnahrung setzte das Medium Ellen Greve mit dem Geistnamen Jasmuheen in die esoterische Welt. Heute distanziert sich die Australierin von ihrem Lichtnahrungsprozess, den Tausende Esoteriker absolviert haben. Der Grund: Mehrere Lichtesser haben die Kur (7 Tage ohne Flüssigkeit) nicht überlebt. Jasmuheen behauptet, sie selbst nehme seit 1993 keine Nahrung mehr zu sich. Bei einem Test brach die begleitende Ärztin den Versuch aber ab, weil Jasmuheen gefährlich ausgetrocknet war und rasch an Gewicht verloren hatte. Der ehemalige Basler Chefarzt Jakob Bösch propagiert das Lichtessen heute noch. (sta.)”
Montag, 16. Februar 2009 um 23:01 Uhr.
@Robin
Hallo Robin, Michael Werner habe ich ebenfalls auf Vorträgen erlebt, ich fande ihn eher uninteressant. Noch uninteressanter finde ich diesen Artikel von Dir da oben, das gabs alles schon im “SPIEGEL”, oder in der “Bild der Frau”, glaube ich jedenfalls.
Viel interessanter und im Grunde wichtiger finde ich, warum Du Dich “Robin” nennst !? So hieß doch der Kollege (besser:der jüngere Freund) von Batman. Gibt es da eine ideelle Verbindung??
Huch, es ist schon spät geworden, ich muß jetzt schlummern und hoffentlich viel, viel Nonsens träumen!
Montag, 16. Februar 2009 um 23:11 Uhr.
@ Zorro
was findste denn interessant? Ausser magersüchtige Frauen wie Judith von Halle?
Den ollen Wirrkopf Steiner?
Dienstag, 17. Februar 2009 um 08:15 Uhr.
@Robin
J.v.Halle hat ein Durchschnittsgewicht, ist keineswegs auffällig dünn und sieht ansonsten äußerst attraktiv aus (erinnert mich ein wenig an Jennifer Connelly in dem Film “A beautiful mind”). Neben J.v.H. und guten Filmen interessiere ich mich u.a. auch für Steiner, aber ebenso viel für zahllose andere Dinge, Autoren, usw.
Ebenso interessieren mich einfache psychologische Fragestellungen, wie etwa, was treibt einen notorischen Anthrogegner ( “Nonsens, Farce, durch den Wind”…) wie Robin dazu, täglich den Info3 Blog aufzusuchen?? Spricht da ein ehemaliger gefrusteter Waldorfschüler (so etwas soll es ja geben, stand, glaube ich, auch mal in der “Bild der Frau”). Oder kommst Du aus einer ganz anderen Ecke? Katholik?? Etwa Pius-Bruderschaft??? Man weiß es nicht…
Dienstag, 17. Februar 2009 um 11:21 Uhr.
@ Robin
“was treibt einen notorischen Anthrogegner ( “Nonsens, Farce, durch den Wind”…) wie Robin dazu, täglich den Info3 Blog aufzusuchen?”
dich zu testen.
bist mit Ach und Krach durchgerauscht. Kapierst ja noch nicht mal deinen eigenen Nickname.
Gut, dass es die Anthroposophie gibt und Waldorfschulen, man müsste sie sonst erfinden - irgendwohin müssen sie ja …
Mittwoch, 25. Februar 2009 um 18:52 Uhr.
Den hast du aber erwischt, Robin. Meine Güte.
Genau. 84000 Waldorfschüler sind alle dumm und schon mit 5/6 so sektoid, dass sie da hin müssen. Du hast sie ja auch echt nicht so ganz alle.
Liebe Grüße aus dem Beton!
Donnerstag, 26. Februar 2009 um 13:42 Uhr.
@ Anthroposophia
bist du Waldorfschüler? Glaubst du an Steiner? An Judith von Halle als irdische Stellvertreterin von Christus, oder von Steiner? von was eigentlich? ich glaub, ich blick grad nicht durch, erklär mir mal die anthroposophischen Wunder.
Mittwoch, 11. März 2009 um 23:54 Uhr.
Hallo,
also manchmal ist alles ganz einfach: Da merkt man plötzlich, daß man mit seinem ganzen Denken, mit seinem Intellekt, seinem Beharren aufs Denken als letzte beurteilende Instanz, nicht sonderlich weit kommt. Sowenig wie am Beharren der eigenen klugen Feststellung, daß “Gefühl und Glaube” ja keine Objektivität hätten. Denn plötzlich spürt man, daß es Mächtigeres als das eigene Denken oder “Erkennenwollen” gibt.
So ähnlich gings mir heute früh nach dem Aufwachen. Nach tagelangem hin und her, Ansichten von diesem und jenem lesend über JvH (Judith von Halle), dachte ich eigentlich schon längst nicht mehr an die Person Judith von Halle selbst - ich war gefangen in dem Konflikt der “Parteien”…
Heute morgen wachte ich auf - und dachte sofort als allererstes an Judith von Halle. Mit einem Gefühl tiefster Sympathie zu ihr - zu einer (so mein Gefühl heute morgen) völlig unschuldigen Seele. Zugleich war dieses Gefühl ein “österliches” Gefühl, eines das mich an die Auferstehung Christi erinnerte…- und das ich auch in vergangenen Zeiten hatte, z.B. als ich schon Bücher von R.Steiner über die Evangelien, über Christus überhaupt, verschlungen hatte…
Mit diesem österlichen Gefühl stieg ich dann ins Auto - und ich fand es sonnenklar, daß Judith von Halle eine Aufgabe hat - nämlich die, vielen Menschen (hauptsächlich wohl anthroposophisch orientierten) den Zugang zur Realität des Geistigen, zu Christus, dem Auferstandenen (nicht dem leidenden “Schmerzensmann”, wie manche denken könnten, wenn sie sich die stigmatisierten Wunden anschauen) zu erleichtern.
Mir fiel wieder ein, was ich auch in letzter Zeit vergessen hatte: daß Anthroposophie für mich immer völlig “durchzogen” war von “Auferstehung”. Keine Theorie - sondern ein “Auferstehungs-Welt- und Menschenbild”, eine “Auferstehungs-wissenschaft”, bei der “die Auferstehung” oder “der Auferstandene” in alle Lebensbereiche hineinragt - was mich begeisterte und begeistert.
Mit einem Lebensgefühl wie am Ostersonntagmorgen fuhr ich also heute früh los zur Arbeit. Ostern, die Auferstehung, dachte ich mir - das ist etwas, was man das ganze Jahr über in sich tragen sollte…- eigentlich zu jeder Jahreszeit.
Auferstehung, so dachte ich mir, ist nicht nur die Auferstehung von seinem eigenen Tod - es ist viel mehr. Sie findet eigentlich ständig statt, sollte sie jedenfalls - ist ständige Erneuerung. Sie hat auch sehr viel mit der Liebe zu allem Lebenden zu tun - besonders zu den Menschen. Sie ist Zuversicht - und Vertrauen in den Geist, dem Urgrund allen Lebens, sie ist Freiheit, auch von Angst…
Dieses “Auferstehungs-Lebensgefühl” kennen viele Leute. Manche haben es nur kurz, manche immer wieder, einige vielleicht auch ständig. Anthroposophen sollten es eigentlich immer haben - aber das ist schwer, denn der Alltag oder die Sorge ums Geld u.v.a. lassen es oft verschütt gehen. Sie haben es aber auch leichter als viele andere: Oft genügt ein Griff zu einem schönen Büchlein von Rudolf Steiner (oder auch von Judith von Halle oder andern) - und schnell kann man wieder “tanken”.
Das heißt natürlich nicht, daß Judith von Halle - als Helferin - notwendig ist für das Verstehen von Christus oder der Anthroposophie. Das spezifisch anthroposophische “Osterlebensgefühl” hatte ich schon öfters auch bevor ich Judith von Halle kennenlernte. Es erlitt aber keinen Schaden, sondern einen “Zugewinn” durch JvH. Aber wie gesagt: dazu braucht man natürlich nicht notwendig JvH! (anthroposphisch-österlich nenne ich es deshalb, weil ich dieses “Ostergefühl” nicht kenne aus früheren Zeiten, in denen ich kirchlich Ostern feierte, oder Hermann Hesse toll fand, oder Buddha/Baghwan oder Ken Wilber oder sonstwas…)
Man darf also nicht darauf bestehen, daß nun jeder “Anthroposoph” Judith von Halle kennenlernen muß - oder sie gar als festen Bestandteil der anthroposophischen Bewegung “verkünden” - nein, das nicht! Man kann auch Anthroposophie und anthroposophisches Christentum kennenlernen, ohne je Judith von Halle zu treffen oder ein Buch von ihr zu lesen!
Sie kann für die, die sich das wünschen, eine schöne Hilfe sein - und für andere halt nicht. Wer meint, sie nicht zu brauchen,- den muß man lassen.
Ich kann keinem JvH -Kritiker “Unchristlichkeit” vorwerfen - (höchstens in einem Punkt: ihrer Verweigerung, Judith von Halle ihr Herz zu öffnen…und damit fast “automatisch” zu ihrem Skeptiker zu werden - ohne sein Herz für sie zu öffnen kann man sie leicht als “unpassend” in die geisteswissenschaftliche Strömung einordnen!)
Aber nun mach ich Schluß: ich schweife ab…ich wollte nur kurz meine Gefühle und Gedanken von heute vormittag schildern…- es war schön, auf diese nette Art Judith von Halle “wiederzufinden” - und ich hoffe, daß ich bald wieder die Gelegenheit haben werde, ihr irgendwo “live” bei einem Vortrag zu begegnen…
Eine gute Lösung für diverse Probleme innerhalb der AG - auch dem Umgang mit Judith von Halle, wäre möglicherweise die Art Ideen, wie sie Hartwig Schiller in seinem Artikel “Die situative Gesellschaft” in den “Mitteilungen aus der anthoposophischen Arbeit in Deutschland” schildert (dort die ersten beiden Seiten).
Der Artikel geht nicht um eine - wegen JvH - gespaltene Gesellschaft - sondern um die künftige Anthroposophische Gesellschaft. (die wäre aber - in seinem Entwurf - m.E. so beschaffen, daß dieses “JvH-Problem” bedeutend leichter lösbar wäre)
Ich finde, der Mann sagt einige gute Sachen - vielleicht kommt ja z.Zt. Bewegung rein in die AG, wenn das schon in dieser Zeitung so steht. Mit der ausdrücklichen Forderung am Ende des Artikels, sich am Gespräch über die zukünftige Anthropos. Gesellschaft zu beteiligen. (und evtl. auch direkt mit Hr. Schiller in einen Gedankenaustausch einzutreten…- e-mail und Adresse sind hierfür angegeben)
Er meint, daß die “Institutionen des Geisteslebens” in ihrer bisherigen Form überflüssig werden, denn die individuelle Freiheit des Einzelnen duldet kein “Standesdenken”, kein “man” mehr, - sie will “situativ”, aus dem “Jetzt” heraus handeln.
Dann aber macht er sich dennoch Gedanken über eine zukünftige Anthrop.Gesellschaft - es klingt viel “basisdemokratischer” als der Zustand der aktuellen Gesellschaft.
Ich kann das alles nicht wiedergeben - vielleicht mags ja mal jemand von euch durchlesen. Am Schluß aber bringt er noch einige “Forderungen” - von denen ich hier ein paar interessante herausschreibe:
Er meint:
Die Anthroposophische Gesellschaft möchte immer neu entstehen! Einige praktische Grundsätze für die Gegenwart lauten:
- eigene Erfahrungen machen und bezeugen, auf Zitatsurrogate verzichten
- dem Diktat innerer Leistungs- und Erfüllungszwänge widerstehen
-als Einzelner wie als Gesellschaft: Bescheidenheit in der Darstellung der eigenen Leistung, Anerkennung der Leistung anderer
- das Verhältnis von Mitgliedern und Funktionären auf eine gleichberechtigte Basis stellen
- der in die Welt getretenen Anthroposophie Rechnung tragen: die Horizontale zwischen den Menschen stärken. Innere Erfahrung und Kompetenz zur Vertikalen machen.
-Mitglieder nicht in falsche Loyalitäten drängen, sondern Gemeinsamkeiten bilden in Freiheit
-Willensbildungen auf allen Ebenen der Gesellschaft transparent und abgestimmt gestalten
-neben der wissenschaftlichen auch die künstlerische und religiöse Seite des anthroposophischen Lebens ausbilden
-das Prinzip von freiem Angebot, freier Empfänglichkeit und freier Entschädigung konsequent respektieren
-die Gesellschaft “leicht” machen, sie von der Last äußerer Besitztümer, Reglementierungen und Verpflichtungen befreien
-wer es mit der Anthroposophischen Gesellschaft gut meint, der wirkt an ihrer Zukunftsfähigkeit mit, ohne Tabus und unausgeleuchtete Ecken
…
Das macht doch Hoffnung, oder nicht? Mir gefällt das gut.
Und ich finde schon längst, daß man noch mehr Sektionen einrichten sollte, z.B. wie das Rahel Uhlenhoff vorschlägt, eine Sektion für Christologie (und christlich-anthropos. Forschung), deren Leitung man Judith von Halle geben könnte.
Man sollte auch eine Sektion für Karmaforschung einrichten. Da könnte dann z.B. der “ausgetretene” Jostein Saether mitarbeiten, auch das Basler Institut für Karmaforschung (BIFK), das ein Anthroposoph betreibt…
Ich könnte mir - in diesen Zeiten - auch eine Sektion für das soziale und das Wirtschaftsleben vorstellen, das sich mit den aktuellen Geschehnissen befaßt - und worin auch die Dreigliederungsbewegung ihr Zuhause hat. Und die Grundeinkommensbewegung (Götz Werner & Co.)
Jemand, der nicht viel von der Christologie hält, braucht sich dieser Sache dann ja nicht anzuschließen, findet aber seine “Heimat” in einer andern Sektion.
Viele - auch die “Ausgetretenen” wie Jostein Saether - oder auch Frau Feuerstack (bzw. ihre Mutter), die sich an ihre Vergangenheit in der letzten Inkarnation an der ersten Waldorfschule erinnert - könnten eine “Heimat”, Anlaufstelle, eben eine Sache finden, wo sie sich beteiligen oder mitarbeiten könnten.
Die Sektionen müßten auch stärker unabhängig voneinander sein…aber unter dem Dach der Anthroposophie stehen…- nur als Selbstverpflichtung (ohne kontrollierender Instanz).
(Sogar eine Mieke Mosmuller könnte sich nützlich machen in einer Sektion, die sich mit “Übungsweg, Meditationen usw. befaßt…- sie beschreibt ja eindrücklich ihre eigenen, glaubwürdigen Erfahrungen in ihrem Buch “Der heilige Gral”)
Vielleicht würde dann ja auch ein Pietro Archiati wieder Mitglied dieser “freisten aller Gesellschaften” (was sie sein sollte lt. R.Steiner) werden wollen.
Sogar Rudolf Steiner selbst meinte, die Sektionen entstehen nach den Bedürfnissen der Mitgliedschaft, der Anthroposophen…Er meinte auch, daß in 50 Jahren die Anthroposophie anders aussehen würde als zu seiner Zeit.
Für eine hundertjährige Erstarrung einer anthoposophischen Gesellschaft gibt es keinen Grund, auch keinen, der in der Gesamtausgabe zu finden ist…
herzliche Grüsse
Wolfgang Stadler
Sonntag, 28. Juni 2009 um 15:26 Uhr.
[...] har högste antroposofen–den internationelle generalsekreteraren, Prokofieff–givit ut en bok där han, med tydlig adress till von Halle, diskuterar stigmatafenomenet i antroposofisk [...]