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Berichte aus der Gegenwart

Ein modernes Menschenbild

Initiative Grundeinkomme Zugegeben: lange bin ich noch nicht an dem Thema dran. Erst seit drei Jahren beschäftigt mich das bedingungslose Grundeinkommen - angeregt durch Daniel Häni und Enno Schmidt von der “Initiative Grundeinkommen”. Bis heute bin ich einerseits fasziniert, andererseits habe ich auch kritische Fragen zu diesem gesellschaftlichen Modell. Unabhängig davon, wie man zum bedingungslosen Grundeinkommen steht, ist es wirklich außergewöhnlich, wie sich dieser Gedanke verselbstständigt hat und wächst.

Von Sebastian Gronbach
Im Gegensatz zu anderen Themen, die in kürzester Zeit spitz nach oben schießen, um dann ebenso schnell wieder dem nächsten Renner Platz zu machen, scheint sich das bedingungslose Grundeinkommen tatsächlich dynamisch und aus einer großen Tiefe heraus aufzurichten - der Gedanke lässt uns nicht mehr los.

Reden über das moderne Menschenbild - da, wo es ernst wird.
Sowohl Daniel Häni und Enno Schmidt als auch der prominente Befürworter Götz Werner haben von Anfang an immer wieder gesagt, wie bedeutsam es sei, dass dieser Gedanke überhaupt einmal gedacht würde - ganz unabhängig davon, wie und wann er in ein gesetzliches Verfahren münden würde. Wir beginnen tatsächlich alle miteinander über Geld zu reden; und Reden über Geld heißt Reden über Angst, heißt Reden über Stolz, heißt Reden über Versagen, heißt Reden über Scham. Und seit dem bedingungslosen Grundeinkommen heißt Reden über Geld auch Reden über das moderne Menschenbild - und zwar da, wo es ernst wird.

Fundierung durch Anthroposophie
Das bedingungslose Grundeinkommen ist keine anthroposophische Initiative. Aber so wie das Thema Umweltschutz seit den Siebzigerjahren dank vieler ganzheitlich-anthroposophischer Ansätze zu einem nachhaltigen Umweltbewusstsein wurde, so trägt auch die philosophisch-spirituelle Fundierung durch die Anthroposophie essentiell dazu bei, dass es längst nicht mehr um linke, rechte oder liberale Ansätze geht, sondern um wirklich neue, moderne und im besten Sinne menschliche Lösungen. Für mich ist der Gedanke des bedingungslosen Grundeinkommens Bewusstseinserweiterung.

Bisweilen sprengen diese Gedanken nicht nur unsere Denkschablonen, sondern auch Computer - so geschehen beim Server des Bundestages. Dort hatte die Bürgerin Susanne Wiest die Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen eingereicht - bei 50.000 Stimmen müsste sich der Deutsche Bundestag mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigen. Bewegen sich solche Petitionen in der Regel im dreistelligen Bereich, steht die Zahl in diesem Moment bei über 46.000 Mitzeichnern und sie steigt rasant und Minute für Minute.

Schlappe Rechner - Starke Menschen
Was manche Köpfe nicht denken können, konnte der Bundestagsrechner nicht mehr rechnen… und brach zusammen. Dank einer sofortigen Intervention und der Unterstützung durch den zuständigen Administrator wurde die Frist zur Unterzeichnung dieser Petition nun bis zum 17. Februar verlängert - vereinzelt macht der Rechner immer noch schlapp. Kein Grund, dass wir schlapp machen.

Wenn ich mich jetzt wie ein 0815-Wahlkämpfer anhöre, dann verzeihen Sie mir das bitte, aber es ist tatsächlich so: Jede Stimme zählt und es ist ausgesprochen simpel seine Stimme einzubringen. Folgen Sie einfach dem Link und in wenigen Minuten geben Sie dieser Idee eine weitere Stimme, die klar und deutlich bis in das Haus dringt, welches in großen Lettern die Aufschrift trägt: “Dem deutschen Volke”. Na - wenn das so ist: Nehmen wir die Einladung doch an.

Selbst wenn die 50.000 Stimmen nicht zusammenkommen, bereits jetzt ist das ein unüberhörbarer und enthusiastischer Chor. Das stimmt mich nicht zuletzt deshalb froh, weil ein tragender Ton dieses Chores seinen Ursprung in dem Menschen hat, der einmal sagte:

“In früheren Zeiten lebte sich der Mensch instinktiv in das Wirtschaftsleben hinein. Jetzt muss das Hineinleben in die Wirtschaft immer bewusster und bewusster werden.”

Wir arbeiten dran, Herr Steiner.

18 Responses to “Ein modernes Menschenbild”

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  1. 18
    ISIK TABELA Says:

    Nebenbei möchte ich noch in Frage stellen, ob die Höhe von beispielsweise 750€ als aKbbGE zu einem wirklich unabhängigen Leben reichen könnte. Bei den aktuellen Preisen halte ich eine Zahl, die deutlich höher als 1000€ für realistisch. Aber darüber sollte man erst “streiten”, wenn das aKbbGE in greifbare Nähe rückt.

  2. 17
    turkce dublaj izle Says:

    trotzdem handelt es sich eben mehr um eine note oder bewertung als um eine rangziffer…

  3. 16
    sohbet odaları Says:

    thanks you..

  4. 15
    Dieter Dasberg Says:

    Ist das hier nur für eine rein philosophische Auseinandersetztung oder besteht auch Interesse an konkreten Lösungen bzw. der Bewältigung von praktischen Hindernissen?

    Ich war echt gespannt, was die Fachleute hier auf die Frage meines Freundes geäntwortet hätten…

  5. 14
    Dieter Dasberg Says:

    In den von Johann Mosmann im Punkt “3″ genannten Links habe ich gelesen und verstanden, dass das auf einer Konsumsteuer begründete bedingungslose Grundeinkommen (aKbbGE) eigentlich nicht so recht mit der Dreigliederung nicht zusammenpasst. Allerdings halte ich die Möglichkeit, die Dreigliedrung durchzusetzen, für wesentlich unwahrscheinlicher als die Umsetzung des aKbbGE, denn diese würde sich in das aktuelle System integrieren lassen, ohne es komplett umzustülpen oder ersetzten zu müssen. Als „erstes Ziel“ ist es also auf jeden Fall besser als der Istzustand – ohne damit gleich die gesamte Idee des Dreigliederungsgedanken zu „verraten“.

    Eine Frage, die ein Freund aufwarf, möcht ich kurz entwickeln: Wenn die Konsumsteuer auf Exportwaren entfällt sind wir im Vergleich zu anderen Ländern durchaus konkurrenzfähiger – das ist ein sehr positiver Effekt, auch würden wir durchaus einen Aspekt im Sinne der Dreigliederung erfüllen: andere Länder würden nicht für unser Sozialsystem aufkommen, das machen wir dann selbst. ABER: im Augenblick sind wir schon Exportweltmeister, d.h. viele unserer Waren gehen ins Ausland. Diese Waren enthalten zurzeit ca. 30% „versteckte“ Steuern (wie man z.B. dem Film von Daniel Häni und Enno Schmidt über das GE entnehmen kann), diese werden aktuell auch vom Ausland (mit)bezahlt. Bei unserem Exportvolumen würde dieser erhebliche Teil in unserer Wirtschaftskasse fehlen. Wie könnte man das kompensieren? – Denn ein solcher Einbruch würde auch die Finanzierung des aKbbGE selbst wieder gefährden.

    Nebenbei möchte ich noch in Frage stellen, ob die Höhe von beispielsweise 750€ als aKbbGE zu einem wirklich unabhängigen Leben reichen könnte. Bei den aktuellen Preisen halte ich eine Zahl, die deutlich höher als 1000€ für realistisch. Aber darüber sollte man erst “streiten”, wenn das aKbbGE in greifbare Nähe rückt.

  6. 13
    Thomas Says:

    @ Harald Wozniewski
    Selten so viel Unausgegorenes gelesen, wie in diesem Beitrag. -

    Vorteile haben beim Bedingungslosen Grundeinkommen alle! Als Arbeitnehmer kommt man aus der Versklavungssituation raus, und kann selbstbestimmter sein Leben angehen. Als Arbeitgeber wird zurecht die Leistungsbesteuerung kritisiert. Eine Konsumbesteuerung ist ausreichend.

    Ob die Leistungen einer Gesellschaft allen zugute kommt, und wer mehr Profit zieht, ist ein ewiges Thema, und wird unabhängig von der Einführung des Grundeinkommens diskutiert. Die Freistellung des Menschen in seine Unabhängigkeit ist aber absolut der richtige Weg.

    Deshalb bin ich selbstverständlich für die Einführung des “Bedingungslosen Grundeinkommens”.

  7. 12
    Johannes Mosmann Says:

    ^ an Christoph Kühn ^

  8. 11
    Johannes Mosmann Says:

    Die Stellen kenne ich gut. Ich habe auch niemals behauptet, Steiner sei ein Gegner des Kapitals gewesen. Das wäre ja absurd. Ich habe über Steiners Kampf gegen den Inhalt unseres Eigentumsbegriffs geschrieben. Steiner hat sich z.B. für ein Eigentum eingesetzt, nach dem ein Unternehmen “niemandem” mehr gehört, so dass der Arbeitsleiter sein Einkommen mit anderen Arbeitern aushandeln muss.

    Sie haben offenbar die Machtsstruktur, die in unsere Eigentum angelegt ist, mit “Kapital” gleichgesetzt, denn sonst hätten Sie mich nicht so missverstehen können. Damit sind Sie aber ganz weit weg von Steiners Idee einer sozialen Dreigliederung. Schauen Sie sich dass doch einmal genau an, was sich bei Steiner hinter dem Wort “Kapital” verbirgt, und was er demgegnüber zu dem sagt, was Sie für “Kapital” halten.

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