Schlussfassung des Frankfurter Memorandums: Rudolf Steiner und das Thema des Rassismus
“Frankfurter Memorandum” kritisiert rassistische Äußerungen bei Rudolf Steiner - “Rassenlehre” kein Inhalt der Anthroposophie
Frankfurt am Main, September 2008. – Die von dem österreichischen Philosophen und Sozialreformer Rudolf Steiner begründete Anthroposophie ist heute durch zahlreiche Initiativen wie Waldorfschulen, biologisch-dynamische Landwirtschaft, medizinische oder heilpädagogische Einrichtungen bekannt. Im Werk ihres Begründers gibt es aber auch vereinzelte diskriminierende sowie einige wenige rassistische Äußerungen, die heute klar als historisch überholt beurteilt werden müssen. Zu diesem Ergebnis gelangt das sogenannte „Frankfurter Memorandum“, das in der September-Ausgabe des anthroposophischen Magazins „info3 – Anthroposophie im Dialog“ veröffentlicht wurde. Die in Rede stehenden Äußerungen, die in der Vergangenheit immer wieder für öffentliche Kritik sorgten, seien durch einen rassistisch gefärbten Diskurs zur Evolution des Menschen in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende zu erklären, an dem sich auch Steiner beteiligte, so die Autoren. Eine systematische „Rassenlehre“ oder gar ein vom „Kampf der Rassen“ geprägtes Geschichtsbild wie bei anderen Autoren dieser Zeit fänden sich bei Steiner jedoch nicht.
Vorangegangen war dem „Frankfurter Memorandum“ im März 2008 ein von zahlreichen Vertretern anthroposophischer Einrichtungen unterzeichneter Aufruf sowie ein Entwurfstext, der sich an Vorarbeiten einer Kommission unter Leitung des niederländischen Menschenrechtsexperten Dr. Ted van Baarda orientiert hatte. Für die nun vorgelegte Schlussfassung haben die Autoren Ramon Brüll und Dr. Jens Heisterkamp, die gleichzeitig Herausgeber des info3-Magazins sind, zusätzlich zahlreiche inzwischen eingegangene Anregungen sowie Kriterien der historischen Rassismusforschung berücksichtigt.
Bei der Analyse der in Rede stehenden Zitate Steiners gelangt das „Memorandum“ zu einer Differenzierung in fünf Kategorien, die von sprachgeschichtlich erklärbaren Missverständnissen über diskriminierende Stereotypisierungen bis hin zu rassistischen Äußerungen reichen. So bezeichnete Steiner in rund zwei Dutzend solcher Zitate etwa traditionelle Kulturen als „dekadent“ und äußerte sich in abschätziger Weise über Menschen mit schwarzer Hautfarbe. „Anders als im Hauptduktus seiner Ethik der Freiheit des Individuums zeigt sich Steiner in diesen Äußerungen deutlich als Angehöriger einer spätkolonial und eurozentristisch geprägten Epoche“, heißt es dazu in der Studie.
Auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus setzen sich die Autoren kritisch auseinander. Demnach gibt es eine singuläre antisemitische Äußerung Steiners aus dem Jahr 1888, in der er dem Judentum pauschal die Existenzberechtigung absprach. Später sei Steiner jedoch als Publizist aktiv gegen den sich damals verstärkenden Antisemitismus aufgetreten. Allerdings fänden sich auch nach dieser Korrektur noch antijudaistische Tendenzen in Steiners Darstellungen, so das Memorandum.
„Die Ambivalenz einer geistigen Größe, die historischer Autor und aktuell wirksamer Impulsgeber ist, gilt es nüchtern festzustellen und kritisch das eine vom anderen zu unterscheiden“, stellen die Autoren des Memorandums abschließend fest. Gleichzeitig wird betont, dass das Thema der „Rassen“ insgesamt für das Ideengebäude der Anthroposophie keinerlei Rolle spiele: „Auf Tausenden von Buchseiten und in Hunderten von Vorträgen zu spirituellen, religiösen, pädagogischen, medizinischen oder politischen Fragen kommt das Thema ‚Rasse’ überhaupt nicht vor. Weder in der anthroposophischen Literatur der Gegenwart noch etwa in Lehrplänen für Waldorfschulen finden sich Äußerungen wie die hier untersuchten“, so das Memorandum weiter.
Angefügt ist dem Memorandum ein dokumentarischer Anhang mit bisher erschienenen offiziellen Stellungnahmen aus der anthroposophischen Bewegung sowie der vom Bund der Freien Waldorfschulen herausgegebenen „Stuttgarter Erklärung“ gegen Diskriminierung.
Frankfurter Memorandum in französischer Sprache
Frankfurter Memorandum in englischer Sprache
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Frankfurter Memorandum. Rudolf Steiner und das Thema Rassismus. Von Ramon Brüll und Jens Heisterkamp. Auch erhältlich als Einzeldruck: ISBN 978-3-924-391-39-3 , Einzelpreis 3,- €. Info3-Verlagsgesellschaft, Kirchgartenstr. 1, 60439 Frankfurt am Main



Mai 19th, 2009 at 10:10 am
http://feuerbringer.com/2009/05/12/rudolf-steiner-und-die-anthroposophen/
“Rudolf Steiner und die Anthroposophen
Geisterbeschwörung, Hellseherei, satanische Mächte, Ätherleiber und materialistische Wissenschaftler im Dienste des finsteren Dämons “Ahriman”: Anthroposophen haben sich ganz schön was vorgenommen, wenn sie das alles glauben wollen. Offenbar gelingt es ihnen aber recht gut.
Die Pädagogik der Waldorfschulen basiert auf der Anthroposophie Rudolf Steiners. Das muss man sich einmal überlegen! Sie könnte genausogut auf den Fantasiewelten von H.P. Lovecraft basieren. Es gibt einen Blog, der sich kritisch mit der Anthroposophie befasst (von dort sind alle Zitate hier entnommen). Dort wird ein gewisser Lorenzo Ravagli bei einem Versuch zitiert, Rudolf Steiner gegen die Vorwürfe des Rassismus zu verteidigen (als würde das noch helfen bei der ausgefallenen Irrsinnsmixtur, an die Rudolf Steiner glaubte!):
“Es ist weiterhin unzutreffend, wenn Zander behauptet, die Völker seien für Steiner »Substrukturen der Rassen«. Nach Steiners Verständnis müsste man vielmehr von »Hyperstrukturen« sprechen. Völker sind nach Steiners Definition in GA 121 Gruppen von Menschen, in deren Ätherleib ein und derselbe Erzengel wirkt. »Rasseneigenschaften« sind auf das Wirken von »zurückgebliebenen« Geistern der Form im physischen Leib des Menschen zurückzuführen. Während die Völkererzengel mit der seelischen Differenzierung der Menschheit in der nachatlantischen Zeit verbunden sind und auf die Christuswesenheit als ihren »Lehrmeister« hinblicken, was dazu führt, dass es keine »wirklichen Gegensätze« zwischen Völkern geben kann, wenn sich deren Angehörige mit den Inspirationen der jeweiligen Erzengel verbinden, wirken die »zurückgebliebenen« Geister der Form der von Christus angestrebten Verbrüderung der Menschheit antagonistisch entgegen.”
Nein, nein. Rudolf Steiner war kein Rassist. Die Völker sind nämlich Hyperstrukturen, in deren Ätherleib ein und derselbe Erzengel wirkt, und keineswegs Substrukturen (das sollte die Sache ja wohl klarstellen!). In der nachatlantischen Zeit (die Zeit nach dem Untergang von Atlantis, für dessen Existenz es natürlich auch keine Beweise gibt) blickten die Völkererzengel auf die Christuswesenheit als ihren Lehrmeister hin, müssen Sie wissen, denn im Grunde ist das alles nur eine Sache verfeindeter Geister…
Hm. Zugegeben, hier verlassen mich meine parodistischen Fähigkeiten. Wie will man etwas humoristisch übersteigern, das die Grenzen des Wahnsinns schon hundertmal durchbrochen hat?
(…)”
April 30th, 2009 at 12:51 pm
@ Felix Hau
Stimmen Sie Herrn Bartels zu? Sind Sie mit Jürgen Bartels einer Meinung, dass das richtig gute Anthroposophie ist:
“Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.” Rudolf Steiner
Oder würden Sie jemanden, der das richtig findet, vielleicht doch als Rassisten bezeichnen?
April 30th, 2009 at 12:46 pm
“Im “Frankfurter Memorandum” wird Steiners Rassismus relativiert, verharmlost.”
Freuen Sie sich doch. Sonst hätten Sie ja gar nichts mehr zu reden, tun.
April 30th, 2009 at 12:20 pm
Im “Frankfurter Memorandum” wird Steiners Rassismus relativiert, verharmlost.
Aber anderswo wird anthroposophischer Klartext geredet, jedem Wort Steiners applaudiert. So von Jürgen Bartels, Besitzer der Gruitener Buchhandlung, auf Waldorfpädagogik spezialisiert. Bartels hat auch hier nichts einzuwenden, Stichwort von Bartels “menschlicher Fortschritt in eine geistvolle Zukunft”:
“Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.”
Rudolf Steiner
Hier: http://brightsblog.wordpress.com/2008/12/09/die-welt-der-anthroposophie-sektiererisch-fundamentalistisch/
Januar 27th, 2009 at 10:32 am
Il “Frankfurter Memorandum” è gattopardesco.
gattopardesco [gat-to-par-dé-sco] agg. (pl.m. -schi, f. -sche)
Che fa mostra di aderire alle novità per non perdere potere e privilegi antichi: mentalità g.
gattopardesco agg. (pl. -chi)
referring to the political practice of creating reforms that are only apparent rather than substantial.
Dezember 25th, 2008 at 6:19 pm
wär Klasse, wenn mich jetzt info 3 groß rausbrächte!
Na, mensch, hätten Sie mal einen Ton gesagt. Das ist doch überhaupt kein Problem. Wir machen das.
Trotzdem überraschend, dass sich Felix Hau SOLCHE Mühe gibt, mir eine Freude zu machen.
So BIN ich halt; mein Herz für Waldorfwerklehrer … Und es ist ja auch Weihnachten.
Nur die Ruhe. Sie werden wirklich überrascht sein.
Dezember 25th, 2008 at 5:58 pm
@ info 3
Ja, stimmt, ich bin ganz “hibbelig” … wär Klasse, wenn mich jetzt info 3 groß rausbrächte! Gratis PR ist immer gut. Nun ja, ist ja auch Weihnachten. Trotzdem überraschend, dass sich Felix Hau SOLCHE Mühe gibt, mir eine Freude zu machen.
Vielleicht kommt dabei auch irgendetwas Verwertbares heraus, ausser das übliche Hausche (nicht Hirsch-) “Geschnetzelte”:
http://nachsichten.anthroposophie.de/index.php?/archives/27-Andreas-Lichte-haelt-Saddam-Hussein-fuer-unschuldig.html
http://nachsichten.anthroposophie.de/index.php?/archives/28-Andreas-Lichte-verteidigt-sich-Nur-Hitler-traf-Unterscheidungen.html
http://nachsichten.anthroposophie.de/index.php?/archives/29-Das-Liebesleben-der-Hyaene.html
Ob ich das noch einem Journalisten anbieten kann? Was soll er damit machen? Fällt jemandem mehr ein als das:
http://netzklempnerin.wordpress.com/2008/11/08/anthros-sind-die-neuen-juden/
“netzklempnerin
am Dezember 25, 2008 um 4:01 Uhr nachmittags
Gottchen ist das wirr. Krasser die Anthros nie spinnen…. “
Dezember 25th, 2008 at 5:45 pm
Das Hirschgulasch wird übrigens sensationell. Ich spiele mit dem Gedanken, die Redaktion des Guide Michelin anzurufen …