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Das Info3 Blogland

Berichte aus der Gegenwart

“Autobahn geht nicht” - Reflektionen über einen Reflex

Zum Skandal um Eva Herman

Eva Herman hatte auf der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung ihres aktuellen Buches tatsächlich - und in Abweichung von dem zunächst Kolportierten - folgendes gesagt:

“Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben …”

In der Folge brach eine Woge der medialen Entrüstung über Herman herein und ihr Arbeitgeber, der NDR, kündigte sie fristlos. Bereits zu diesem Zeitpunkt - als das Originalzitat noch gar nicht in Umlauf war -, habe ich einzig bei Henryk Broder eine Ansicht gefunden, die der meinen entsprach. Broder schrieb:

“Frau Herman ist sehr blond und nicht sehr helle und taugt deswegen bestens als Opfer auf dem Altar der symbolischen Antifa, die umso mehr gedeiht, je weniger Fa es gibt. Und während die deutsche Wirtschaft weiter Geschäfte mit dem iranischen Präsidenten macht, ohne sich daran zu stören, was er über den letzten Holocaust sagt, derweil er den nächsten plant, darf Eva Herman nicht einmal mehr eine alberne NDR-Talk-Show moderieren.”

Den vorläufig peinlichen Tiefpunkt (Video bei Youtube, Teil 1 von 6) im Herman-Skandal bildete die ZDF-Sendung “Kerner” vom 9. Oktober, in der Eva Herman schließlich “verabschiedet” (vulgo: hinausgeworfen) wurde, weil sie - anders, als Johannes B. Kerner sich das vorgestellt hatte - vor dem anwesenden, sehr unvorbereiteten und umso hysterischeren Tribunal auf “unschuldig” plädierte und sich zu allem Überfluss auch noch in bereits bekannter Ungeschicklichkeit verteidigte.

Was ich angesichts des grammatikalisch und damit inhaltlich total verunglückten Ursprungszitates vermute - und meine Vermutung bestätigt sich durch Hermans jetziges Verhalten -, ist folgendes:

Eva Herman wollte sagen, dass durch die 68er-Bewegung als eine Art geistigen Aufräumprozesses alles abgeschafft wurde, was im Nationalsozialismus eine tragende Rolle gespielt hat (ob nun dort entstanden oder von früher übernommen und von Nazis instrumentalisiert) - darunter aber eben nicht nur tatsächlich Bedenkliches, sondern einfach alles - also auch dasjenige, was als solches gut war. Und “als solches” heißt nicht “in seiner nationalsozialistischen Variante”, sondern eben “als solches”.
Beispiel: Wertschätzung der Mutter. Die gab’s vorher schon, die gab’s weiterhin in der NS-Zeit - wo diese Wertschätzung zu hinlänglich bekannten Kanonenfutterzwecken instrumentalisiert wurde. Und die 68er haben sich nun nicht damit begnügt, die Instrumentalisierung dieses Wertes durch die Nazi-Ideologie zu geißeln, sondern sie haben - das jedenfalls scheint mir Hermans Ansicht zu sein; und sie hat Recht! - gleich den ganzen Wert in abwertende Frage gestellt und negiert.

Die Hysterie, mit der auf solche Unterscheidungsversuche heute reagiert wird, ist m.E. einer gewissen deutschen Hilflosigkeit - um nicht zu sagen: Ignoranz - im Umgang mit der Geschichte geschuldet (auch da hat Herman Recht!), die etwa folgendermaßen aussieht:
Wo kommen wir hin, wenn man jetzt auch noch nachdenken und unterscheiden soll? Wie will man das überhaupt machen? Da müsste man sich ja schon wieder näher befassen … Wir haben uns dran gewöhnt, die NS-Zeit und alles, was in ihr geschehen ist, zum düsteren Kapitel “unserer” Geschichte zu erklären, zum absoluten “no go”. Und jetzt ist aber bitte auch gut. Damals sind - wie Broder die deutsche Stimmung sehr passend einfängt - Aliens über uns hereingebrochen und haben uns benutzt, um Böses zu tun. Wir wollen mit diesen Aliens nichts zu tun haben: wir wollten damals nicht und wir wollen heute nicht. Weg damit; lasst uns endlich damit in Ruhe.

Das ist - immer noch - mehr Leugnung als Entsetzen. Das ist - immer noch - mehr Theater als Begreifen. Zu dem inzwischen zum reinen Reflex mutierten, von jeder echten Schuld-Anerkenntnis und jedem wirklichen Bewusstsein weit entfernten “Schuldbewusstsein” passt auch sehr schön, dass das wirklich über die Maßen Schreckliche, dass das tatsächlich jede Menschenwürde Negierende, dass das Gefährliche, das Widerwärtige, das Ungeheuerliche, das Eliminatorische der NS-Ideologie (und damit: desjenigen Denkens und Fühlens, dem eine deutsche Mehrheit verfallen gewesen ist) in seiner Wesentlichkeit nach wie vor nicht zur Kenntnis genommen wird. Das ganze “Beteuern” scheint reine Geste zu sein.
Ansonsten wäre man in der Lage - und da hat Broder einmal mehr Recht - zu unterscheiden: nicht nur zwischen Eva Herman und Eva Braun, sondern beispielsweise auch zwischen Saddam Hussein und George W. Bush, zwischen Ahmadinedschad und Olmert, zwischen “Nazi-Vergleichen” der einen Güte und der anderen Schlechte -, und könnte also sehen, was wirklich schlimm ist und denjenigen Keim in sich trägt, der tatsächlich in der Lage und willens ist, Menschen, Würde und Welt zu vernichten.

Eva Herman ist es nicht. Die Verteidigung von Familienwerten - und seien sie auch noch so konservativ - ist es auch nicht. Und die Autobahn ist es ebenso wenig, auch wenn Kerner ultimativ befindet, dass die “halt nicht geht”.

14 Responses to ““Autobahn geht nicht” - Reflektionen über einen Reflex”

Seiten: [2] 1 » Zeige alle

  1. 14
    Bernard Says:

    So, nun habe ich mir die Sendung nochmals auf YouTube angesehen und mir ist dabei tatsächlich ein Aspekt aufgefallen der mir damals beim schauen der Sendung entging.
    Kommt es mir nur so vor, oder sahen wir hier wirklich einen Hexenprozess im Stile des Mittelalters? Mit Bruder Johannes B. Kerner als oberster Inquisitor, der von der Abtrünnigen Ketzerin immer und immer wieder den Wideruf ihrer Aussage forderte, dabei sichtlich um die Errettung ihrer Seele bemüht. Getragen wurde er von drei weiteren Inquisitoren die immer dann auf die Delinquentin einredeten, wenn der Chefinquisitor eine geistige Pause einlegte um die nächste verbale Falle zu kreiren. Und immer wieder tönte über allem die Aufforderung: “Widerrufe Weib, widerrufe!!”. Unterstützt wurde die Kompetenz des Tribunals von einem Bischofersatz in Gestalt eines Prof. Dr. Wolfgang Wippermann, seines Zeichens Historiker, der zudem auch noch glaubte, er wisse besser als die Angeklagte selbst, was diese mit ihrer Aussage eigentlich sagen wollte.
    Letztendlich endete das Verfahren damit, dass die Abtrünnige ihren Frevel nicht eingestand und sich die Inquisitoren auf äusserste entrüstet zeigten, schon alleine um nicht selbst in den Verdacht der Ketzerei zu geraten.
    Ich hoffe ich habe hier keine Worte verwendet, die vom NS-Regim erschaffen wurden, wie z.B.:”Gleichschaltung”. Falls doch bitte ich dies damit zu entschuldigen dass ich eben KEIN Histeriker…sorry…Historiker bin. Man könnte ja dem Langenscheid-Verlag mal nahelegen, statt der Possen eines Herrn Mario Barth, lieber mal ein Wörterbuch herraus zu geben, in dem solche NS-Wörter geoutet werden. Bis es soweit ist verwende ich lieber mehr Anglizismen um mein personal risk zu minimizen. Zuletzt noch eine Frage die mir unter den Nägeln brennt.
    Wer zur Hölle hat die längst vergessenen Senta Berger und Margarete Schreinemakers aus ihrer wohlverdienten Versenkung geholt??
    - So..ich habe fertig! -

  2. 13
    Bernard Says:

    Ich habe die fragliche Sendung mit dem bigooten Kerner auch gesehen und fand Eva Hermans Äusserungen nicht missverständlich! Auch konnte ich keinerlei pro-nationalsozailistischen Ansichten in ihren Ausführungen erkennen. Tatsächlich war die Aussage im Kern: “Die Wertschätzung der Gesellschaft für Mütter und Familie ist in der 68er - Bewegung mit dem Nationalsozialismus ausgeschüütet worden wie das Kinde mit dem Bade.” Die darauf enstandene Entrüstung der übrigen Anwesenden ist eigentlich nur mit geistigem Unvermögen und/oder der unfähigkeit genauen Zuhörens erklärbar. Hinzu kommt eine tiefsitzende Naziphobie, gerade der Medienvertreter des öffentlichen selbstgerechten Fernsehns. Vergangenheitsbewäligung sieht anderst aus! All denen die glauben, man müße alles verteufeln was sich die Nazidiktatur zu Propagandazwecke eigen gemacht hat, möchte ich nopch was zum Nachdenken mitgeben.
    Anders als der Bau der Autobahnen und die Wertschätzung der Familien, wurde die Stadt Wolfsburg (Ähnlichkeit mit dem Namen Wolfsschanze ist nicht zufällig), tatsächlich durch das NS-Regim gegründet um dort die Arbeiter des ebenfalls vom NS-Regim gegründeten Volkswagen-Werkes anzusiedeln, die dort den von Adolf Hitler designten, VW-Käfer produzierten. Und jetzt? - Wolfsburg geht garnicht? - oder was? Ist nun jeder der sich einen VW kauft ein Nazi??? Und warum bin ich der Einzige, der sich an der braunen Grundierung von Mercedes-Benz Fahrzeugen stört?? Tatsache ist doch, ….wir machen heute noch unbekümmert Geschäfte mit den Kriegsgewinnlern aus der NS-Zeit und keiner regt sich wirklich auf.

  3. 12
    Oliver Rath Says:

    Ich bin nur rein zufällig hier reingeschneiht, aber ich muss an dieser Stelle einmal loswerden, dass dies ein wirklich hervorragender und vor allem differenzierter Artikel ist, den ich mit großem Interesse gelesen habe.
    Ausgezeichnet!

  4. 11
    Franziska Felthaus Says:

    Wikipedia schreibt über das “Müttergenesungswerk”: Dafür wirbt Senta Berger…

    “Die Maßnahmen des Müttergenesungswerkes basieren auf einem ganzheitlichen und frauenspezifischen Ansatz. Dabei liegt der Fokus weniger auf einzelnen Symptomen und Leiden als vielmehr auf den Symptomkonstellationen und deren vielschichtigen Ursachen. Körperliche, psychische und soziale Aspekte von Krankheiten und Beschwerden werden integriert behandelt, die gesamte Lebenssituation der Frau ist Ausgangspunkt aller medizinischen und therapeutischen Maßnahmen. Die Frauen sollen durch die Therapien in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge zwischen ihren belastenden Lebensumständen und ihren Erkrankungen zu erkennen. Ziel ist es, sie bei der Entwicklung eines positiven Gesundheitsbewusstseins und adäquater Bewältigungsmechanismen zu unterstützen.

    Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten in den Einrichtungen des Müttergenesungswerkes interdisziplinäre Teams eng zusammen: ÄrztInnen, PsychologInnen, PhysiotherapeutInnen, SozialpädagogInnen und DiätassistentInnen unterstützen die Frauen bei der Bewältigung ihrer Krankheiten und Lebenssituationen.

    Die medizinische Vorsorge und Rehabilitation richtet sich sowohl an Mütter alleine als auch an Mütter gemeinsam mit ihren Kindern. In Müttermaßnahmen haben Frauen die Chance, sich fernab vom „Arbeitsplatz Familie“ einmal nur auf sich und ihre Bedürfnisse zu konzentrieren, nur für sich alleine verantwortlich zu sein. In Mutter-Kind-Maßnahmen werden zusätzlich die Erkrankungen der Kinder vorbeugend oder rehabilitativ behandelt, was angesichts zunehmender Erkrankungen von Kindern immer wichtiger wird. Gründe für Mutter-Kind-Maßnahmen liegen aber auch dann vor, wenn eine Trennung von Mutter und Kind nicht zumutbar ist oder es keine andere Unterbringungsmöglichkeit für das Kind gibt. Die Kinder werden bedarfsgerecht medizinisch versorgt und pädagogisch betreut. Die zusätzlichen Mutter-Kind-Interaktionsangebote haben einen hohen Stellenwert für die gesunde Entwicklung des Kindes und das Wohlbefinden der Mutter. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit die Mutter-Kind-Beziehung neu zu erleben.”

    Am 28. Februar hat das Müttergenesungswerk seine neue Kampagne “Wünsche für Mütter” gestartet. Eva Luise Köhler, Schirmherrin des Müttergenesungswerkes, präsentierte beim Auftakt in Berlin erstmals die Kampagnenmotive, für die sie sowie Mütter und Prominente wie Senta Berger und Jürgen Vogel ganz persönliche Wünsche formuliert haben. „Weniger Vorurteile, mehr Anerkennung und Respekt”, wünscht sich zum Beispiel die Schauspielerin Senta Berger.

    UND DAFÜR WIRBT SENTA BERGER - die Kerners Sendung verlassen wollte - im Beisein E. Hermans - nur daß dann letztere gehen mußte.

    Mein Vorschlag: Senta Berger erhält einen anklebbaren Hitler-Schnauzer, den sie in Zukunft immer tragen muß!

    http://www.drk-bw.de/adelheidstift/startseite/Pressemappe_Wuensche%20fuer%20Muetter.pdf

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